Aufsatz 
Untersuchungen über molekularphysikalische Eigenschaften wässeriger Salzlösungen und ihrer Gemische
Entstehung
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Zu den Cypressen-Gewächsen gehört auch der Wachholder, am Rechneigraben ver- treten durch

5. Juniperus virginiana L., den virginischen Wachholder.

Er steht in drei Exemplaren auf der Nordostseite bei den Silberpappeln. Die untern Aeste an ihnen sind abgestorben; die oberen grünen noch. Die jungen schuppenförmigen Blätter werden später nadelförmig, stehen dreiquirlig, sind unten etwas angewachsen, spitz, auf der Rückseite gekielt und oberseits bläulich weiss. Das wohlriechende Holz, im Handel als virginisches Cedernholz bekannt, dient besonders zur Anfertigung von Cigarrenkisten und zur Umhüllung von Bleifedern. Die Faber'schen Bleistifte bestehen aus diesem Holze.

6. Salisburya adiantifolia Ssm. Gingkobaum.

Dieser interessante Baum, welcher in seiner Belaubung mehr einem Laub- als einem Nadelbaume ähnelt, wird wegen des anatomischen Baues seines Holzes und wegen der nackten Samenknospen zu den Coniferen gerechnet, specieller zu den Taxineen. Er gedeiht bei uns recht gut und wir haben in Frankfurt mehrere stattliche Exemplare, wie im botanischen Garten, auf dem Terrain, wo früher der Garten des Herrn Grunelius war, auf dem Gogelschen Gute vor dem Gutleuthofe etc. Unser Exemplar, auf der Westseite des Rechneigrabens, ist gleich- altrig mit der dortigen Ceder. Der Gingkobaum ist diöcisch und es finden sich meistens männliche Bäume. Von den beiden Bäumen auf dem Gogel'schen Gute soll der eine männlich, der andere weiblich sein. Geblüht hat der G. bei uns noch nicht. Im südlichen Frankreich reifen seine Früchte. Dieselben sind wie bei der Eibe Scheinfrüchte. Die Fruchtschale ist gelb, harzig und adstringirend. Sein gerösteter und dann mandelartig schmeckender Samen kommt in China und Japan als Dessert auf die Tafel. Man hat mit Erfolg weibliche Reiser auf die Zweige männlicher Bäume aufgepfropft und so die Bäume gewissermassen monõcisch gemacht, um leichter fruchtbaren Samen zu erzielen.

Die eigenthümlichen Blätter stehen in Büscheln, verlaufen nach unten keilförmig in einen langen Stiel, welcher auf der Oberseite platt ist; sie sind lederig, fein gestreift und die Streifen theilen sich dichotomisch; sie sind ferner oben mehrfach gelappt, oft zweitheilig (daher Gingko biloba L.) und dann jede Hälfte wiederum gelappt. Wegen der Form der Blätter hört man hier vielfach diesen Baum mit dem Namen Entenfuss bezeichnen. Im Herbste werden die Blätter hellgelb und fallen plötzlich ab. Die zahlreichen über 5 Ctm. langen, einfachen und verzweigten Kurztriebe(Kurzzweige), welche die Büschelform der Blätter veranlassen, kennzeichnen den Baum auch im laublosen Zustande und erinnern die Lärche und die Ceder ausgenommen ebenfalls mehr an Laub- als an Nadelbäume. Das Holz ist gelblich- weiss, geadert und mittelmässig hart. Harzgänge fehlen wie bei Taxus. Der Gingkobaum wurde im vorigen Jahrhundert in Europa eingeführt. Manche unserer Bäume stammen, ihrer Grösse nach zu urtheilen, mindestens aus dem Anfange dieses Jahrhunderts. Die Eigenthümlichkeit dieser Conifere war schon Göthe aufgefallen.

Von Frankfurt aus, heisst es in dem Briefwechsel zwischen Göthe und Marianne v. Willemeri,schickte Göthe an Mariannen ein Blatt der morgenländischen Pflanze Gingko Biloba als ein Sinnbild inniger Freundschaft. Das Blatt ist zwiespaltig; man könnte fragen,vob es eins ist,

Creizenach, Briefwechsel zwischen Göthe und Marianne v. Willemer, pag. 471. 2*