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Eurydice, Cenes und Proserpina befinden sich in der Vorhalle zur Aula, die ganz be- sonders durch die edlen Ausmessungen als stimmunggebender Vorraum zum Festsaal empfunden wird.“*)
Der hohen Eingangstür zur Aula gegenüber befindet sich ein Wandbrunnen, wie sie auf allen Gängen, auf dem Hofe und in der Turnhalle angebracht sind, aus grauem Kalkstein. Der am reichsten ausgestattete steht in dem schattigen Brunnenhäuschen des Turnplatzes. Dies niedliche Lusthäuschen macht den vom Bahnhof Kommenden zuerst durch den ohrenzwickenden Magister über seiner Dachspitze auf die Bestimmung des ganzen Gebäudes aufmerksam, bildet aber zugleich auch die deutliche Grenze des Turn- platzes und einen Massstab für die Höhe des Hauptgebäudes.
Von ihm wendet sich der Blick bald zu dem kräftig gegliederten und durch seine Steinhauerarbeit hervorgehobenen Haupteingang. Die 3 Bogen der Strassenseite halten den rechten Winkeln der Fenster und Wandlinien auf das glücklichste die Wage. Am Haupthaus kennzeichnen die hohen Aulafenster, die schalterversehenen des Direktor- zimmers und die obengenannten Eingangsbogen die zu ihnen gehörigen Räume sehr treffend. Das Hauptportal ist am meisten betont durch steingehauene Blumenkörbe, In- schriftenschilder und das Eschweger Stadtwappen.
Der malerische Eindruck, der durch die verschieden tiefen Schatten auf der äusseren und inneren Hauswand erzielt wird, ist wohlgelungen. Die mit gotisierendem Masswerk oben abschliessenden Aulafenster finden schliesslich noch Gegensätze in den halbrunden Dachluken, mit denen im Mittelbau wieder rechteckige abwechseln. Die Giebel der Haupt- und der Treppenhäuser sind ebenfalls gotisierend hochspitzig und laufen unten mit leichter Rundschwingung gefällig aus.
Die Gliederung des Ganzen zeigt das Bestreben, einfach und klar nach dem Grundriss und der Innenraumgestaltung aufzubauen, ohne dabei in Eintönigkeit und Langeweile zu verfallen. Vielleicht hätte die Linienführung zwischen den beiden Haupt- dächern über den Mittelbau hin mildere Uebergänge zeigen können.
VI. Bauleitung, Bauzeit und Baukosten.
Die Entwürfe für die ganze Anlage stammen von Professor Hugo Eberhardt in Offenbach am Main. Mit der Bauleitung wurde von der Stadt Eschwege Herr Stadt- baumeister Grossklaus betraut. Die Kosten des Bauplatzes betrugen 42 000 Mark, die des Gebäudes 443 700 Mark. Die Bauzeit währte vom Mai 1900 bis zum April 1911.
Römheld.
VII. Besonders lobenswerte Einrichtungen in der Turnhalle, in dem Zeichensaal und in den Räumen für den naturwissenschaftlichen Unterricht.
Von der im ganzen zweckmässig ausgeführten Einrichtung der Turnhalle
ist besonders zu erwähnen die neu ausgedachte Reckeinrichtung aus Mannesmannröhren,
*) Leider lässt uns hier, wie bei den meisten Raumdarstellungen, die Photographie
fast ganz im Stich..


