Aufsatz 
Das neue Schulgebäude
Entstehung
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I. Bauplatz.

Als Bauplatz stand der Stadt ein grosser Teil des ehemaligen Schlossgartens zur Verfügung. Freilich laufen an zwei Seiten ziemlich belebte Strassen entlang. Dafür bot der Platz einerseits, auf dem hohen linken Werraufer gelegen, einen herrlichen freien Blick in die von Bergen umrahmte Landschaft, andrerseits erlaubte er ein Gebäude, das weithin sichtbar, dem neuen Bahnhofsviertel ein besonderes Gepräge verleihen, Stadt und Landschaft zur Zierde gereichen, den Blick des Fremden auf sich lenken, dem Bürger ein Vorbild zweckentsprechender und doch anmutender Bauweise werden konnte. Aus der belebten Lage erwuchs wohl dem Baumeister eine schwierigere Aufgabe, auch wurden die aufzubringenden Opfer beträchtlicher, doch traten diese Bedenken zurück hinter den an- geführten höheren Absichten: unsere gelehrte Schule ist ja heutzutage überhaupt kein stillverträumter, weltfremder Studierwinkel mehr, sondern steht mitten im Kampf der Tagesmeinungen, will mit dem Leben fortschreiten und für das Leben erziehen! Auch für die auswärtigen Schüler liegt das Schulhaus nun bequem; vom Bahnhofe aus lässt es sich in 67 Minuten erreichen.

II. Grundriss und Anordnung der Räume.

Die Aufgabe, ruhig gelegene Klassenräume zu schaffen, löste der Baumeister dadurch, dass er das Hauptgebäude in der Form eines rechten Winkels anlegte. So liegen nun Gänge und Treppen nach der Bahnhofstrasse und dem durch Befehlsrufe und Spieliubel geräuschvollen Turnplatz, die Klassenzimmer nach dem Schulhofe hin, der gross genug ist, den Strassenlärm hinreichend verhallen zu lassen. Am Scheitelpunkt des rechten Winkels, wo sich die beiden Gänge treffen und der Haupteingang sowie das Haupttreppenhaus münden, erweitert sich in allen drei Stockwerken der Gang zu einer geräumigen Vorhalle, die bei feuchtem Wetter den Schülern zum Aufenthalt in den Pausen dienen kann. An diesem wichtigen Kreuzungspunkte, von dem aus das ganze Ge- schoss übersehen werden kann, liegen im ersten Stockwerk auch die Zimmer des Anstalts- leiters, des Schuldieners und das Elternsprechzimmer, während das Lehrerzimmer zur Vereinfachung der Aufsicht in der Nähe des zweiten Treppenhauses untergebracht ist, dicht dabei die Lehrer- und Schülerbibliothek.*)

Im zweiten Stockwerk liegt am Scheitelpunkt der Gänge die Aula, von der zu- strömenden Schülerzahl aller Klassen somit leicht erreichbar. Turnhalle und Zeichen- saal, die nur von wenigen Klassen gleichzeitig aufgesucht werden, liegen dagegen in einem besonderen Nebenflügel, die Turnhalle gleicher Erde neben dem Turnplatz; der Zeichensaal ist mit seiner geringeren Ausdehnung geschickt in das Dach eingebaut, neben ihm die Lehrmittelsammlung und ein Zimmer, in dem alle Schüler ihre Zeichensachen auf- bewahren. In einem anderen Nebenflügel, ausserhalb des Hauses, befinden sich die mit Wasserspülung versehenen Bedürfnisräume für die Schüler. Einen ganzen Laufgang im dritten Geschoss des Hauptgebäudes nehmen ferner die Räume für den Betrieb der Natur- wissenschaften ein. Es sind dies ausser dem naturwissenschaftlichen und physikalischen

*) Val. zur Uebersicht die Grundrisszeichnung des ersten und zweiten Geschosses.