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griechiſchen Handſchriften allein den Urtext wieder zu gewinnen, iſt unmöglich; denn alle tragen deutliche Spuren arger Verderb⸗ nis an ſich und weichen an den meiſten Stellen erſtaunlich von einander ab. Zum Glückaber geſtatten die auf uns gekommenen, ſehr alten Ueberſetzungen, deren Entſtehungszeit um mehrere Jahrhunderte weiter zurückreicht, als die der vorhandenen griechi⸗ ſchen Codices, zuverläſſige Schlüſſe auf die urſprüngliche Beſchaf⸗ fenheit ihrer gemeinſamen Quelle und bieten der Textkritik einen einigermaßen ſicheren Boden. Die erſte derſelben, die lateiniſche Ueberſetzung des Julius Valerius, iſt mehrfach herausgegeben worden; die zweite, die armeniſche, liegt in einer Venediger Aus⸗ gabe von 1842 vor; von der ſyriſchen ſind nur zwei ſehr geringe Proben edirt worden. Von beiden letztern aber iſt bis jetzt noch keine Ueberſetzung erſchienen, und ſie ſind darum noch ſehr wenig be⸗ kannt und benutzt worden.
Was Zacher für überaus wünſchenswerth erklärt, eine mög⸗ lichſt genaue Vergleichung des griechiſchen Pariſer Textes A, des J. Valerius, der armeniſchen Ueberſetzung und der ſyriſchen Hand⸗ ſchrift, hat ſich der Verfaſſer dieſer Abhandlung ſeit einiger Zeit zur Aufgabe gemacht und hofft ſie im Laufe des Jahres zu vol⸗ lenden. Er wird dann eine vollſtändige Ueberſetzung des ſyri⸗ ſchen und armeniſchen Textes, mit genauer Bezeichnung der Ab⸗ weichungen beider von den griechiſchen Codices, geben. Was er hier vorausſchickt, kann, dem knapp zugemeſſenen Raum eines Programmes entſprechend, nichts Vollſtändiges ſein und beſchränkt ſich daher auf eine mehr oder weniger detaillirte Inhaltsangabe der erſten Kapitel des ſyriſchen Manuſcripts mit gelegentlichen Andeutungen und Bemerkungen zu den griechiſchen Texten und den andern Verſionen. Da es unmöglich war, ſyriſche und ar⸗ meniſche Typen für dieſe Abhandlung zu beſchaffen, ſo mußten die Belege zu den vorgeſchlagenen Umänderungen meiſt wegfallen und die Auszüge ſehr gekürzt werden.


