Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte und Kritik der Alexandersage. Auszug aus der syrischen Übersetzung des Pseudokallisthenes mit Beziehung auf den Text der griechischen Codices, sowie der lateinischen und armenischen Versionen : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

von Eſchenbach(c. 1280) mit einem Gedicht in 11 Büchern nach dem Lateiniſchen des Walther von Chatillon, bisher noch ungedruckt, aber in vier Handſchriften vorhanden, und Rudolf von Ems, deſſen Epos in 6 Büchern nach dem Griechiſchen(2) nicht vollſtändig erhalten und nur bruchſtücksweiſe gedruckt wor⸗ den iſt. Die erwähnte Alexandertragödie ſtammt von Hans Sachs. Den Reigen mögen drei hochdeutſche und ein platt⸗ deutſches Volksbuch beſchließen.

Bedenkt man demnach, daß der macedoniſche Eroberer in den drei wichtigſten Religionsbüchern der Welt, in der Bibel ¹), dem Talmud und dem Koran der Erwähnung gewürdigt wurde; erwägt man, wie die Geſchichte ſeiner wunderbaren Thaten die dichteriſche Phantaſie aller Völker entzündete; betrachtet man end⸗ lich die imponirende Zahl von mehr als 80 verſchiedenen Bear⸗ beitungen in 24 Sprachen, Bearbeitungen, die, in einer Unzahl von Handſchriften, Abdrücken und Ausgaben vervielfältigt und verbreitet, der Maſſe des Volkes einen willkommenen Unterhal⸗ tungsſtoff zuführten: ſo wird man die ungeheure Tragweite des Einfluſſes ermeſſen können, welchen die Alexanderſage ſeit andert⸗ halb Jahrtauſenden auf das Morgen⸗ und Abendland ausgeübt hat ²).

¹) 1 Macc. 1, 18; 6, 2. Daniel 7, 7 ff.; 8, 21.

²) Wie weit ſich der Einfluß der lateiniſchen Alexanderbücher erſtreckte, mag z. B. Sebaſtian Münſter zeigen, der in ſeiner Kosmographey, V. B., bei ſeiner Beſchreibung von Indien den Pſeudokalliſthenes aus zweiter oder dritter Hand reproducirt und alle die Märchen mit treuherziger Naivetät als geo⸗ graphiſche Weisheit auftiſcht. Das Kapitel:Wie Alexander der groß künig von Macedonia gezogen iſt in Indiam vnd was jm in ſeiner reiß begegnet iſt, mit den wunderlichſten Abbildungen iſt namentlich ergötzlich zu leſen. Solche Fabeleien vom Einhorn(vgl. Pſeudok. 3, 17) und dem Kraken libid.) haben lange in geographiſchen und naturgeſchichtlichen Büchern bis in unſere Tage herein geſpukt. Vgl. die bekannte Raffſche Naturgeſchichte für Kinder über den Kraken. V