Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte und Kritik der Alexandersage. Auszug aus der syrischen Übersetzung des Pseudokallisthenes mit Beziehung auf den Text der griechischen Codices, sowie der lateinischen und armenischen Versionen : 1. Teil
Entstehung
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trotz der nebenher umlaufenden griechiſchen Handſchriften, ein⸗ flußreich für die Literatur des Abendlandes, die ſyriſche, und in geringerem Maße die armeniſche, für die des Orients.

Betrachten wir zuerſt die letztere, die aſiatiſche Abtheilung. Wahrſcheinlich begegneten ſich perſiſche Mythen, Nachklänge des Zendaveſta, und jüdiſche Legenden und bildeten gemeinſchaftlich den Grundſtock zu jenen ſpecifiſch orientaliſchen Sagen, welche die moslemiſchen Dichter ſpäter mit Vorliebe erweiterten und aus⸗ ſchmückten ¹).

Der Talmud, der öfters Alexanders Erwähnung thut, läßt ihn an die Pforten des Paradieſes gelangen. Mit einem Todtenſchädel beſchenkt, wird er abgewieſen 2). Dieſe Wanderung Alexanders nach dem Lebensquell wiederholt ſich von da an viel⸗ fach bei den orientaliſchen Dichtern. Unter den Hebräern hat dann ſpäter Joſephus ben Gorion(XII. Jahrh.) in ſeiner jüdiſchen Geſchichte eine abkürzende Bearbeitung des griechiſchen

tur in Edeſſa blühte, iſt wohl begründet. Indes iſt ſie wahrſcheinlich noch älter, als die armeniſche. Vgl. unten.

¹) Vgl. Heinemann Vogelſtein: adnotatt., qunedam ex litteris Orientalibus petitae ad fabulas, quae de Alexandro M. circumferuntur. Diss. inaug. Vratislavine 1865,(a. quae sit fſabula de Alexandri ortu. b. de expeditione Alexandri ad fontem vitae sive paradisum suscepta. c. fabula de vallo in Gog et Magog exstructo, de Alexandro et Dul- karnaino) pag. 23 26.

) Tractatus Tamid IV. f. 32. Die älteſte griechiſche Recenſion weiß nichts von dieſer Sage, aber die jüngeren berühren ſie ſchon(Ps. Kall. II, 40). Es iſt daher anzunehmen, daß die jüdiſchen Bearbeiter derſelben von talmudiſchen Sagen Notiz genommen und ſie ihrem Tert cinverlceibt haben. Vgl. den Hieroſolymitaniſchen Talmud(III. IV. Jahrh.): Tract. Abodah Sarah. III. Theil mit L und C(Ps. Kall. II,), wo Alexanders Aufflug in die Luft erzählt wird, und den Babyloniſchen Talmud(1V. V. Jahrh.) Tract. Joma mit C(Ps. Kall. II, 24. Flav. Joseph. Antiquit. jud. XI, 8, 5. Gorionides II, 7), wo von Alexanders Anbetung vor Jehova die Rede iſt.(Vogelſtein! c.) Herder, M. Mendelsſohn, Rückert, Chamiſſo u. a. haben derartige talmudiſche Saen dichteriſch bearbeitet. Bgl. Weismann II, 504 ff.