Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte und Kritik der Alexandersage. Auszug aus der syrischen Übersetzung des Pseudokallisthenes mit Beziehung auf den Text der griechischen Codices, sowie der lateinischen und armenischen Versionen : 1. Teil
Entstehung
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gleicher Weiſe die orientaliſche Myſtik ¹) wie die chriſtliche Roman⸗ tik des Mittelalters bemächtigte. Was er am Grabe Achills ge⸗ wünſcht, einen Sänger ſeiner Thaten zu finden, das iſt ihm in reichem Maße zu Theil geworden; drei Welttheile haben gewett⸗ eifert, ihn zu feiern: Egypter, Griechen, Armenier, Perſer, Juden, Syrer, Araber, Türken, Lateiner, Franzoſen, Spanier, Englän⸗ der, Schotten u. a. und nicht zum geringſten die Deutſchen. Und wie der chriſtliche Dichter in dem tiefſinnigen deutſchen Epos den Heidenkönig gerettet werden und eingehn läßt in die Seligkeit des Himmels ²), ſo hat ihn der Orient zum großen Glaubenskämpfer gemacht, zum Propheten des Islam vor Muhammed ³). 8

Literatur der Alexanderſage.

Die folgenden Erörterungen beſchäftigen ſich mit der Perſon dieſes Alexander, nicht wie ihn die Geſchichte kennt, ſondern wie ihn die Sage verherrlicht hat; ſie gelten der Entſtehung und den Weiterbildungen dieſer Sage. Man wird die kulturhiſtoriſche Wichtigkeit derſelben beſſer ermeſſen können, wenn man die Art

1) Vgl. die Abhandlung von Ethé in den Sitzungsberichten der philoſ., philol. und hiſtor. Klaſſe der Kgl. Bayr. Akad. der Wiſſenſch. zu München. 1871, Heft 3:Alexanders Zug zur Lebensquelle im Lande der Finſternis. Eine Epiſode aus Niſamis Iskendername, überſ., commentirt und bef. h nem myſtiſchen Inhalt nach genauer beleuchtet. 81

2) Alexander, Gedicht des Xll. Jahrh. vom Pfaffen Lamprecht. He⸗ ranzgeg. von Dr. H. Weismann. Frankf. a. M. 1850. I. Band, Seite 399. (Vers 7096 ff.)

²) Siehe: Koran, Sure XVIII(El⸗kehf), 82 ff.