Die Familien, Genera, Subgenera und Sectionen der zwei- muskeligen, kopflosen Mollusken,(Acephala lamellibran- chiata dimyaria), mit innerem Ligament.
Von Dr. Pduard Römer.
Unter der Abtheilung Vermes testacea hatte Linné in der 10. bis 12. Auflage seines Systema naturae die kopflosen Mollusken mit zwei Schliessmuskeln und innerem Ligament — ohne jedoch diese Eigenschaften sämmtlich hervorzuheben— zu den Gattungen Mya und Mactra gebracht, von denen besonders die erstgenannte sehr verschiedenartige Dinge, nament- lich auch Thiere mit äusserem Ligament und deutlichen Schlosszähnen umfasste. Das ist um so auffallender, als Linné's Characteristik der Gattung eine engere Begrenzung und besonders den Ausschluss von Unio, Saxicava, Glycimeris bedingt haben sollte; er sagt nämlich: „Testa bivalvis hians ut plurimum altera extremitate. Cardo dente(plerisque uno) solido, crasso, patulo vacuo(nec inserto testae oppositae).“ In der ein Jahr vor der 12. Auflage des Linné'schen Werkes erschienenen„Histoire naturelle du Sénégal, 1857% von dem als Botaniker wie als Zoolog ausgezeichneten Adanson, ist ein systematischer Fort- schritt nicht zu erkennen, indem der französische Gelehrte viel grösseren Werth auf die ge- naueste Beobachtung und Beschreibung der Species legte, als auf die Gruppirung; denn Adanson's„Genres“ sind keine Genera im Linné'schen Sinne ¹). Die wesentliche Grundlage einer guten Systematik in einer Wissenschaft, in der man so lange mit Schalen gespielt, oder sich auf höchst oberflächliche Thierbeobachtungen beschränkt hatte, lieferte der Neapoli- taner J. X. Poli durch seine sorgfältigen anatomischen Untersuchungen, wie er dieselben in dem grossen Werke„Testacea utriusque Siciliae eorumque historia et anatome.“ Parmae I. 1791. II. 1795 ²) niedergelegt hat. In vieler Boziehung ist man selbst heutigen Tages noch allein auf diese höchst gründliche Arbeit verwiesen. Mollusken mit innerem Ligament haben die süditalienischen Küsten leider nur wenige aufzuweisen und so sind gerade diese Gattungen im erwähnten Werke sehr kurz weggekommen. Der berühmte Cuvier setzte das Angefangene durch zahlreiche anatomische Untersuchungen fort und die Systematik hat dem- selben ausserordentlich viel zu verdanken. Seine Arbeiten sind theils im„Tableau élémen- taire de l'Histoire naturelle des animaux“ 1798, theils in den„Annales du Muséum d-Histoire
naturelle“, vor Allem aber in den„Leçons d'anatomie comparée“ 1799— 1805, und in dem
*¹) Vergleiche meinen Aufsatz in„Malakozoologische Blätter« IX. 1862. p. 26. ²) Ein von St. delle Chiaje bearbeiteter dritter Band ist im Jahre 1827 erschienen.


