Aufsatz 
Kaiser und Reich. Rückblicke auf Deutschlands Vergangenheit bis zum Anfange des 16. Jahrhunderts
Entstehung
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unter dem Schutze kaiserlicher Macht sich vollziehen zu lassen. Doch Otto I. brachte Italien nicht nur wieder in das frühere Verhältniss zu Deutschland, indem er sich in Mailand vom Erzbischof zum König von Italien krönen liess, sondern ging auch nach Rom und der Papst krönte ihn zum Kaiser. Seitdem wurde es Sitte, dass die deutschen Könige ihren Römerzug machten, um in Rom vom Papste zum Kaiser gekrönt zu werden und schwer hat Deutschland unter dem Zwiespalt gelitten, der zwischen der geistlichen und weltlichen Macht sich zeigte. Heinrich IV.(1056 1106) folgte seinem Vater Hein- rich III.(1039 1056) und seine Mutter nahm während seiner Min- derjährigkeit unter dem Einflusse des Papstes Victor II. und des Bischofs Heinrich v. Augsburg die Regierung in die Hand, sie vermochte aber den Reichsfürsten, welche immer mehr nach Un- abhängigkeit strebten, nicht kräftig genug zu widerstehen und musste es sogar zulassen, dass der Erzbischof Hanno von Cöln ihr den Sohn raubte und des Reichsregiments sich bemächtigte, auf wel- ches er zwar später, wie auch auf die Erziehung Heinrichs, den Erz- bischof Adalbert v. Bremen Einfluss ausüben lassen musste. Was mussten aber solche Verhältnisse für einen Einfluss auf den jungen König ausüben? und welche daraus für das Reich entstehen? Ueberall Zerwürfnisse und Krieg und sogar die schmachvolle Ernioe- drigung zu Canossa! Der deutsche Fürst im Staube vor dem über- müthigen Priester, der Repräsentant der grössten Macht der Christen- heit im Büssergewande vor dem hochmüthigen Gregorl Vier Gegen- könige traten gegen Heinrich auf, der letzte, sein eigner Sohn, Hein- rich V.(1106 1125) war durch den Papst ihm erstanden, das Oberhaupt der christlichen Kirche sdete Unfrieden, statt versöhnend auf die Menschheit zu wirken.

Dann nach der Regierung LotharsII. von Sachsen(1125 bis 1137) kam das mächtige Geschlecht der Hohenstaufen auf den deutschen Thron, eine grosse aber unglicklich auslaufende Zeit begann für unser. Vaterland. Beginnend mit Conrad III.(1137 bis 1152) schloss die Reihe dieser schwäübischen Kaiser mit Conrad IV. (1250 bis 1254), an Friedrich I.(1152 bis 1190), der im hei- ligen Lande seinen Tod fand, knüpfte viele Jahrhunderte lang das deutsche Volk wehmüthige Erinnerungen an die hingeschwundene Grösse des Vaterlandes, bis nun endlich die heissen Wünsche sich erfüllt haben, und Deutschland, nicht mehr uneins und zerrissen, son- dern einig und mächtig unter seinen Augen geworden ist. Was Jahr-