— 9—
(Ravenna) und aus Pentapolis(Ancona), der Papst wird Patricius von Ravenna und so entstand der Kirchenstaatmit der welt- lichen Herrschaft des Papstes.
Was Pipin mit ebensoviel Weltklugheit als Geschick angefangen, das führte Carld. Gr. weiter, als er 768, nach desVaters Tode, den Thron bestieg, aber grossartiger, kühner und mit einer planvollen, von un- geheurem Organisationstalent zeugenden Energie, mit einem Herrscher- geiste, wie selten die Geschichte ihn uns zeigt.
Die Longobarden beunruhigten wieder das römische Gebiet, Carl, Schwiegersohn ihres Königs Desiderius, dem er jedoch die Tochter (Irmengard) heimgeschickt, zog als Patricius von Rom gegen sie und zwang sie, ihn als König anzuerkennen und somit waren seine Würde und seine Macht auch über die Alpen getragen.
Die Päpste hatten lange erkennen müssen, dass das oströmische Kaiserthum ihren Herrscherplänen keine Unterstützung zu gewähren vermochte, wohl aber musste ein so mächtiger Fürst germanischen Stammes, der bereits selbst, wie sein Vater, sich als Stütze des Papstthums bewährt hatte, ganz andere Bürgschaften bieten, zumal wenn die Interessen solch' gegenseitige waren. Das von Rom decre- tirte Dogma konnte mit Hilfe der weltlichen Macht zur Geltung gebracht werden, der König sollte dem Papste Schergendienste leisten; der Nimbus der Kirche sollte das Fürstenthum bestrahlen, die Herr- schermacht als von Gott eingesetzt erscheinen lassen, geweiht durch den Nachfolger Christi auf Erden musste sie dem Volke als eine göttliche Institution gelten, die Krone, die an geweihter Stätte, vor dem Altare, in feierlicher Stunde aus der Hand des obersten Priesters der Christenheit dem weltlichen Herrscher aufs Haupt gesetzt wurde, besiegelte den Bund, welcher einen Glauben und ein einheitliches Reich verbürgen sollte.
Der Papst war Pipin mit seinem Dienste vorangegangen, Carl ging mit dem seinigen dem Papste voran, und am heiligen Weih- nachtsfeste des Jahres 800 setzte ihm Leo III. in der Kirche die Krone aufs Haupt und bekleidete ihn mit dem Kaisermautel. Das durch die Macht der Germanen untergegangene Kaiserthum, wurde in einer neuen Gestalt durch einen Germanen wieder aufgerichtet, doch sollte es seinen Sitz diesseits der Alpen, inmitten Europas haben. Nachdem Carl auch die Sachsen nach langem schweren Kampfe (772— 803) unterworfen und gewaltsam zu Christen gemacht hatte, erstreckte sich sein Reich vom Ebro, welcher die Grenze der Spa-


