Aufsatz 
Kaiser und Reich. Rückblicke auf Deutschlands Vergangenheit bis zum Anfange des 16. Jahrhunderts
Entstehung
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Der Enkel des Merovaeus(445 460), des Stammvaters der Merovinger, König Chlodwig(481 514), besiegte bei Soissons(486) die Reste der römischen Heere im nördl. Gallien unter Syagrius, er nahm in Folge seines Sieges über die Alemannen bei Zülpich (496) das Christenthum an und war der erste christliche Franken- könig; der Erzbischof Remigius von Rheims taufte ihn nach dem athanasianischen Glaubensbekenntnisse. Nach Chlodwig's Tode fiel das Reich an seine vier Söhne und es entstanden ebenso viele selbstständige Königreiche mit den Residenzen Paris(Regnum Franciae) unter Childebert, Orleans(Regnum Aure- liae unter Chlodomir, Soissons(Regnum Suessoniense) unter Lothar, und Metz(Regnum Aust rasiace) unter Theo- dorich, welche aber nach und nach, nach dem Tode seiner Brüder, an Lothar fielen, dessen vier Söhne jedoch das Reich nach des Vaters Tode(561) abermals theilten: Cheribert, Paris; Gun- tram, Orleans; Chilperich, Soissons; Sigbert, Metz.

Die Gräuelthaten im Hause der Merovinger, die uns namentlich Gregor von Tours, zum Theil als Augenzeuge, so meisterhaft geschildert hat, insbesondere die Scheusslichkeiten der Frauen Brun- hilde, der spanischen Königstochter und Gemablin Königs Sigbert zu Metz, und der Fredegunde, Gemahlin Chilperich's zu Soissons, lassen uns mit Entsetzen Blicke in das damalige Cultur- leben thun, und man begreift, wie solche Sittenlosigkeiten die Familie der Merovinger zu Grunde richten mussten. Im Jahre 613 starb Sigbert von Austrasien und sein Neffe Lothar II., auch der Grosse genannt, folgte ihm in der Regierung.

Zu den höchsten Beamten des fränkischen Königshofes zählten:

Der Major Domus oder Hausmaier, auch CGomes Domus Regiae genannt; er nahm die erste Stelle im Reiche ein, war oberster Befehlshaber des Gefolges und vertrat den König in allen wichtigen Angelegenheiten.

Der Referendarius, später Archicancellarius genannt; ihm lag es ob, für die Ausfertigung der Urkunden zu sorgen und ihm war das Schreiberpersonal unterstellt. In seinen Bereich ge- hörten auch die kirchlichen Angelegenheiten.

Der Comes Palatii oder Pfalzgraf, welcher an Stelle des Königs die richterlichen Functionen ausübte und dem in späterer Zeit alle nicht geistlichen Angelegenheiten oblagen.