Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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der wichtigſten Gegenſtände, den Religionsunterricht ganz übergehen? Ob dieſer bei dem ich nicht ſowohl an Dogmen, als daran denke, daß das Herz gereinigt werde die rechte Wirkung habe, das hängt vorzüglich davon ab, ob im Hauſe, aus welchem uns die Kinder zugeführt werden, in dieſer Beziehung der rechte Sinn herrſcht. Und hierüber läßt ſich wohl gerade von unſerer Stadt nichts ihr Eigenthümliches ſagen. Wir müſſen ſelbſt mit dem rechten Sinne dieſen Unterricht ertheilen, müſſen das Unsrige thun, und den Erfolg Dem überlaſſen, der es ſo gefügt hat, daß uns die Kinder ſind anvertraut worden.

Ob im Hauſe der rechte Sinn herrſcht, davon hängt viel überhaupt für die Erziehung, für das Gedeihen der Kinder ab. Mit dieſem Gedanken möchte ich zum Schluſſe noch einige Worte an die Eltern unſerer Schüler richten. Vor 12 Jahren ſagte Kühner:*)Wir werden es als großen Segen zu ſchätzen wiſſen, wenn in einer Stadt wie in der unſrigen noch vielfach Einfachheit der Familien⸗ ſitte in würdigſter Weiſe ſich bewahrt hat und zu bewahren ſucht. Wenn wir auch Letzteres gerne noch anerkennen, ſo müſſen wir doch geſtehen, daß ſich ſeither die Zeit geändert und, wie es ſcheint, nicht gerade gebeſſert hat. Zerſtreuungen werden mehr als früher geboten, die Vergnügungsſucht iſt gewachſen, auch Kinder läßt man ſchon an Manchem theilnehmen, das höchſtens für Erwachſene paßt. Mögen doch dieſen Wunſch und dieſe Bitte ſpreche ich hier aus die Eltern ihre Kinder ſo lange Kinder ſein laſſen, als ſie es in der That ſind; mögen ſie ſie nicht vorzeitig Genüſſe des reiferen Alters ſchmecken laſſen; mögen ſie dagegen auch ihrerſeits, ebenſo wie wir Lehrer(und der innige Verkehr mit ihren Kindern bietet ihnen noch weit mehr Gelegenheit dazu, als wir ſie haben), alle die Bildungsmittel benutzen, die unſere Stadt gewährt. Mögen ſie zum Beiſpiel bei Gängen ins Freie die Freude an der Natur, die jedes unverdorbene, unverbildete Kind hat, nähren und die Wiß⸗ begierde, die ſich auf ſolchen Gängen bei Kindern kund gibt, befriedigen. Die Kinder würden dann einſehen lernen, daß es bei ſolchen Ausflügen noch einen höheren Genuß gibt als bloß den leiblichen. Mögen die Eltern ebenſo, ſobald ihre Kinder die dazu nöthige Reife haben, die Sammlungen mit ihnen beſuchen und ſo ihren Sinn für Schönes nähren.

Aber auch durch den innigſten Verkehr mit den Kindern können die Eltern nicht alle ſchädlichen Einflüſſe, wie ſie z. B. durch verführeriſchen Umgang mit andern, nicht gut gearteten Kindern kommen, vollſtändig von ihnen abhalten. In einGlashaus können und ſollen ſie die Kinder nicht ein⸗ ſchließen. Machen ſich ſolche ſchädliche Einflüſſe geltend, ſo mögen doch die Eltern ſich früh mit der Schule in Vernehmen ſetzen. Nicht als wüßten wir ihnen immer ſogleich beſtimmten Rath zu er⸗ theilen; aber wir können beiderſeits unſere Erfahrungen einander mittheilen und uns zu gemeinſamen Maßregeln verbünden. Mögen ſich die Eltern auch um das Schulleben ihrer Kinder mehr, als oft geſchieht, kümmern,**) ſich ihrer Fortſchritte freuen, bei etwaigen Rückſchritten nicht unthätig bleiben. Es kommt uns wohl dann, wenn ein Kind etwa bei der Prüfung nicht aus einer Klaſſe in die andere verſetzt worden iſt, oder wenn es häufig Strafen erleiden muß, manchmal vor, daß Eltern ſich mit uns beſprechen wollen; meiſt iſt es aber dann zu ſpät für einen recht günſtigen Erfolg. Es wäre beſſer geweſen, wenn ſie nicht gewartet hätten, bis die übel Trägheit, oder irgend eine

*) A. a. O. S. 23.

**) Vgl. mein Programm von 1846. Es heißt da z. B. S. 14:Das Ausſäen iſt Sache der Lehrer; das Umarbeiten, zum Theil wenigſtens, Sache der Eltern. Die Eltern können durch die rechte Hülfe und Sorge den Kindern viele Fehltritte erſparen, ihnen viel nützen.