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wenn er, etwa im Anſchauungsunterrichte, in gemüthliche Unterhaltung mit den Kindern kommt, etwas mehr gehen läßt, das iſt ſehr verzeihlich. Aber das ſollte doch nur Ausnahme ſein, und in immer höheren Klaſſen immer weniger vorkommen. Ferner iſt es wichtig, gleich von Anfang an auf gute, deutliche Ausſprache zu halten. Allerdings wäre uns dies leichter, und wir würden dabei nicht ſo ſehr mit der wirklichen guten Ausſprache in Widerſpruch gerathen, wenn unſere Schreibung (Orthographie) eine beſſere wäre, wenn z. B., wie im Mittelhochdeutſchen,*) auch in der Schrift zu ſehen wäre, daß bei der Ausſprache alle weichen Buchſtaben(b, d, g) im Auslaute hart werden. Wie iſt es nun zu machen, daß in der Schulſprache und in den ſchriftlichen Arbeiten der Schüler nicht, wozu die hieſige Mundart verleitet, ſo viele n am Ende der Wörter ausgelaſſen werden? Das iſt ſchwer, beſonders da manche Schüler leicht auch, wenn ſie dieſen Fehler vermeiden wollen, wieder in den ent⸗ gegengeſetzten verfallen und ein n zuſetzen, wo es nicht hingehört, z. B. ſchreiben die Steinen, die Gipfel der Bergen, die Federn der Flügeln. Hier können wir uns auf das in hieſiger Gegend herrſchende Sprachgefühl nicht verlaſſen. Es muß die Deklination ſo, als hätten wir es mit einer fremden Sprache zu thun, tüchtig eingeübt, es müſſen Regeln gegeben werden. Durch ſolche Regeln wird denjenigen Schülern, die keine alten Sprachen lernen, doch auch eine Denkübung geboten, wie ſie den Lateinern bei allem Überſetzen in die fremde Sprache unentbehrlich iſt. Beſonders möchte ich auf eine die Biegung der Adjektive betreffende Regel aufmerkſam machen, die in unſern Lehrbüchern (z. B. Heyſe) häufig nicht beſtimmt und kurz genug gegeben iſt. Ich würde ſie etwa folgendermaßen faſſen:„Geht einem Adjektiv ein Wort(Artikel, Fürwort) vorher, das die Endung der ſtarken Dekli⸗ nation an ſich trägt, ſo wird das Adjektiv ſchwach, geht ihm kein ſolches Wort verher, ſo wird es ſtark deklinirt.“ Dieſe Regel erleidet einige Ausnahmen(beim Gen. Sing. M. u. N., wo beide Formen ſtatthaft ſind, und wenn einige, manche u. ſ. w. vorhergeht, in welchen Fällen allerdings die ſchwache Form immer mehr überhand zu nehmen ſcheint); auch auf dieſe müßte zur rechten Zeit aufmerkſam gemacht werden.— Wenn nun der Lehrer ſelbſt ein reines Deutſch ſpricht, wenn er auf deutliche Ausſprache hält, wenn er in den ſchriftlichen Arbeiten keinen Sprachfehler unverbeſſert läßt, wenn er jene Regeln tüchtig einübt: ſo wird ſich eine gewiſſe Schulſprache bilden, die ſich der Schrift⸗ ſprache wenigſtens annähert. Der Lehrer hat dieſe zu pflegen und zu ſorgen, daß ſie immer reiner werde, wenn er auch nicht in jedem einzelnen Falle, z. B. wenn ein Schüler in recht lebhafter, warmer Wiedergabe einer Erzählung aus der Geſchichte einmal eine mundartliche Form gebrauchen ſollte, ſogleich tadelnd und hemmend eingreift. Mit Geduld und Beharrlichkeit läßt ſich Manches erzielen; aber, ich geſtehe es, es iſt nicht leicht, dieſe und andere Fehler(oder Abweichungen von der Schriftſprache), zu denen unſere Mundart verleitet, ganz auszutilgen.
Daß übrigens der Lehrer der deutſchen Sprache nicht bloß auf die Form(das Grammatiſche) ſehen ſoll, ſondern auch auf den Inhalt, daß er logiſches Denken fördern, daß er Sinn und Begeiſterung für Dichterwerke wecken ſoll, brauche ich wohl nicht beſonders anzuführen. Es iſt aber darüber nichts, was unſer Frankfurt ausſchließlich oder vorzugsweiſe beträfe, zu ſagen.
Wir haben nun manche Unterrichtsgegenſtände betrachtet, und geſehen, einerſeits welchen Stoff für dieſe uns hier Natur und Leben bietet, andrerſeits welche Hemmungen uns gerade hier bereitet ſind und wie wir uns angeſichts dieſer Hemmungen zu verhalten haben. Sollten wir aber einen
*) Vgl. mein Programm v. 1868 S. 7.


