Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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pejanum, nach Wiesbaden und Mainz, um die römiſchen Alterthümer in den dortigen Muſeen und zugleich die Reſte der Waſſerleitung bei Zahlbach kennen zu lernen. An die Zeit der Karolinger erinnert das Standbild Karls des Großen auf der Brücke. Auch der Saalhof, wenigſtens ſein Name. Denn daß deſſen älteſter Theil, dieKapelle, erſt aus dem Anfange des dreizehnten Jahr⸗ hunderts ſtammt, kann als ziemlich erwieſen gelten.*) Die Bauart des ſpäteren Mittelalters vergegenwärtigt der Römer, das ſteinerne Haus, das Leinwandshaus, das Fürſteneck, manche unſerer Kirchen. Beiſpiele von Bauwerken aus allen Jahrhunderten der neueren Zeit ſind in Menge vor⸗ handen. Die Begrenzung der Stadt zu verſchiedenen Zeiten iſt an vielen Stellen noch deutlich nach⸗ zuweiſen. Vom Graben, mit dem die Stadt umgeben war, und von den Befeſtigungswerken ſind noch Spuren vorhanden. An Zeiten der Unſicherheit erinnern die vier Wartthürme. Von der größten bekannten Ueberſchwemmung gibt ein beſchriebener Stein an der Mauer der Weißfrauenkirche und ein Waſſerzeichen an dem Fiſcherhäuschen gegen dem Fahrthor über Kunde. Bei Kaiſerkrönungen iſt Dom und Römer zu nennen, bei Guſtav Adolf das Haus zum Braunfels. Bei dem Münzweſen des Mittelalters ſind etwa einige Frankfurter Turnoſen**) vorzuzeigen. An einen Auftritt aus den Kriegen mit den Franzoſen erinnert das Heſſendenkmal.

Die Standbilder von Gutenberg und ſeinen Genoſſen, von Göthe, von Schiller brauche ich hier nur zu nennen; ebenſo die Denkmäler der für die Geſchichte unſerer Stadt wichtigen Männer Senckenberg, Guiolett, Bethmann.

Auch Einiges aus der Städel'ſchen Sammlung kann beim Geſchichtsunterrichte erwähnt werden, z. B. Huß von Leſſing, der Sängerkrieg von Schwindt, die Gypsabgüſſe nach Peter Viſcher.

So ſehen wir alſo, daß uns hier auch für dieſes Fach reicher Stoff, Männer und Begebenheiten oder Bildungszuſtände den Schülern näher zu bringen, zu Gebote ſteht. Laſſen wir ihn nicht unbenutzt!

Der Geſchichtsunterricht ſoll übrigens nicht bloß mit Thatſachen und Menſchen bekannt machen; er ſoll auch eine ſittliche Wirkung haben, ſoll z. B. auch Vaterlandsliebe wecken und nähren. Hierzu ich darf das nicht verſchweigen iſt gegenwärtig in Frankfurt die Zeit nicht ſehr günſtig. Was zwar die Liebe zum ganzen großen deutſchen Vaterlande betrifft, ſo haben wir dieſe wohl eben ſo gut wie die Bewohner anderer Gegenden Deutſchlands im Herzen, und dieſes Gefühl äußert ſich bei unſerm Unterrichte. Die neuen Verhältniſſe aber zu preiſen, das iſt uns jetzt noch nicht gegeben; vielleicht kommt ſpäter, für unſere Nachfolger, dieſe Zeit. Daß wir Vieles und Werthvolles verloren haben, iſt ja auch von anderer Seite anerkannt und ausgeſprochen worden. Was wir etwa ſtatt deſſen gewonnen hätten, oder welchen Vortheil für ganz Deutſchland etwa die Aenderung unſerer Verhältniſſe bringe, dafür wird das Verſtändniß den Eingeborenen unſerer Stadt wohl erſt in ſpäterer Zeit kommen. Und wenn wir Frankfurter es nicht laſſen können, manchmal rückwärts zu ſchauen, und wenn dann auch wohl einmal unſer Blickfeucht werden ſollte: man möge darüber nicht ſpotten! Die allerneueſte Geſchichte ſo zu lehren, wie es jetzt angenehm wäre, dazu ſind wir noch nicht im Stande, und wollte es ein Lehrer verſuchen, ſo würde er nur wenige gläubige Hörer finden.

*) Vgl. Archiv für Frankfurts Geſchichte und Kunſt III., S. 26.

**) Vgl. meinen Aufſatz über dieſe Münze im Archiv für Frankfurts Geſchichte und Kunſt, neue Folge(1860) Bd. I. S. 322. Jede Schule, wenigſtens jede höhere, ſollte ſich eine Münzſammlung anlegen; beim Geſchichts⸗ unterrichte wäre ſie gut zu benutzen.

Mittlere Bürgerſchule. 3