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kann, wird an den Eifrigeren ſeiner Schüler dankbare Begleiter für größere oder kleinere Gänge finden. Auch den botaniſchen Garten des Senckenbergiſchen Stifts kann er mit ihnen beſuchen. Dieſer ſteht jetzt dem Blicke mehr als früher offen. Leicht beachtet wird beſonders der ſchöne alte Taxusbaum zunächſt an der Straße.
Gehen wir auf das dritte Naturreich über. Wenn wir im flachen Norden von Deutſchland wohnten, müßten wir uns wohl ziemlich auf die Schulſammlung beſchränken; höchſtens fänden wir einmal einen Feuerſtein oder vielleicht ein Stück erratiſchen Granits, und außerdem gäbe uns einige Anſchauung der Stoff der Häuſer, der Dächer, des Straßenpflaſters, vielleicht einige Denkſteine auf dem Friedhofe. Hier haben wir es in dieſer Beziehung beſſer. Verarbeitet an Mauern, Häuſern und Denkmälern iſt rother und grauer(grünlicher) Sandſtein, Grobkalk, Marmor, Baſalt, Syenit; die Dächer ſind mit Schiefer aus der Gegend von Kaup gedeckt, in den Anlagen bilden Blöcke von Gneiß aus dem Speſſart kleine Felsgruppen, auf dem Friedhofe finden wir außerdem carrariſchen, belgiſchen und naſſauiſchen Marmor zu Denkſteinen benutzt, Quarzit aus dem Taunus und Syenit aus dem Odenwalde zu Einfaſſungen. Das Ufer des Maines, ſowohl unterhalb, am Ende des Winterhafens, als oberhalb, am Leinpfade, bietet Gerölle von Quarz, Gneiß, Sandſtein, Muſchelkalk, Kieſelſchiefer, wie ſie ſeit Jahrtauſenden bis vom Fichtelgebirge her der Fluß herabgeſchwemmt hat. Auf all dies können wir die Blicke der Schüler lenken. Die Brüche im Grobkalk(mit vielen Kon⸗ chylien) auf den nahen Höhen zu beiden Seiten des Maines, die im Baſalt bei Bockenheim ſind bald zu erreichen. Auf weiteren Gängen, wie wir ſie mit ſolchen Schülern, die deſſen würdig und dafür dankbar ſind, vornehmen können, iſt wohl Todtliegendes, Melaphyr, Trachyt, Baryt, Quarzit, Thonſchiefer an der Lagerſtätte zu ſehen.
Auch für Steinkunde nehmen wir die Schaufenſter in Anſpruch, namentlich die der Goldarbeiter und Edelſteinhändler; es kann da gelernt werden, wie Granat und Rubin, Smaragd und Opal, Malachit und Achat ausſieht, Was Achat betrifft, ſo iſt in den Meſſen auf die Buden der Ober⸗ ſteiner Händler aufmerkſam zu machen. Auch was von Gyps und Alabaſter, von Bernſtein und Meerſchaum, von Porzellan und Steingut, von Glas⸗ und Metallwaaren ausgeſtellt iſt, wird beachtet, und zwar Alles zu ſeiner Zeit, z. B. die Sachen aus Zinkguß(Hochſtraße, großer Hirſchgraben), wenn gerade das Zink in der Schule behandelt wird. An die Anſchauung iſt zu erinnern bei Stein⸗ kohle, Steinöl, Aſphalt.
Was die mineralogiſche Sammlung des Senckenbergiſchen Muſeums betrifft, ſo ſagen wir Dasſelbe wie oben: einmal wird aufgefordert, die Flußſpathe(z. B. auch die zu Obelisken und Vaſen bearbeiteten Stücke) anzuſehen, ein andermal die Schwefelkryſtalle, Alles zu ſeiner Zeit.
Auch hier alſo haben wir einen Reichthum des Bildungsſtoffes, den wir verſtändig benutzen wollen.
Der Lehrer der Phyſik ſeinerſeits wird häufig— bei Meteorologie, Mechanik, Elektricität, Wärme, Licht u. ſ. w.— Veranlaſſung nehmen, an Dinge oder Vorgänge, welche die Schüler zu ſehen Gelegenheit haben, anzuknüpfen. Hierin hat wohl unſere Stadt kaum etwas vor andern auch nur mittelgroßen Städten voraus; denn Eiſenbahnen, Dampfmaſchinen, Gasfabriken, wohl auch elektriſche Uhren, finden ſich an vielen Orten.
Auch der Lehrer der Geſchichte findet hier manche Anknüpfung ſowohl für allgemeine deutſche als für frankfurtiſche Geſchichte. Über die Stellung der letzteren, alſo überhaupt der


