Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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damit unnütz verſchwendet, es gewöhnt an ein träges Herumfahren. Ob unſere Warnung immer gehört wird? Nun, wir thun eben das Unsrige; für den Erfolg können wir nicht ſtehen.

Der zoologiſche Garten ladet zu einem Beſuche ein. Dieſer Einladung zu folgen, überlaſſen wir allerdings meiſt den Eltern der Schüler; denn mit zahlreichen Klaſſen den Garten zu beſuchen, hat ſeine Schwierigkeiten. Freilich kommen in der guten Jahreszeit wohl Schulen von weither, ſogar aus dem Badiſchen, um ihn zu ſehen. Aber das ſind Schulen von Dörfern oder kleinen Städten, wo die Kinder in Hinſicht auf die Maſſe der Eindrücke noch nicht ſo verwöhnt(blaſirt, könnte man ſagen) ſind wie unſere Frankfurter Stadtkinder; da freut ſich Alles ſchon wochenlang auf dieſe Reiſe; dieſer für die meiſten wahrſcheinlich erſte Ausflug in die Welt und in die große Stadt erregt eine Art Ehrfurcht, demgemäß iſt denn auch die ganze Haltung der Kinder dabei. Mit einer beſchränkten Anzahl von Schülern könnte aber doch mancher Frankfurter Lehrer dieſes Theils der Naturgeſchichte mit großem Nutzen ſeine Klaſſe dahin führen; es geſchieht das wohl auch zuweilen. Allermindeſtens können wir uns aber in unſerm Unterrichte auf das, was allda zu ſehen ſei, beziehen, und dies wird manche Kinder zur Bitte an ihre Eltern veranlaſſen, mit ihnen den Garten zu beſuchen.

Von dem Senckenbergiſchen Muſeum, das ſeit Anfang dieſes Jahres auch Sonntags geöffnet iſt, könnte Dasſelbe gelten, was oben von der Gemäldegallerie geſagt iſt. Die Menge der Eindrücke verwirrt. Aber da kann ja der Lehrer etwa gerade dann, wenn er das Katzengeſchlecht oder die Gruppe der Wiederkäuer durchnimmt, ermuntern, dieſe bis zum nächſtenmale anzuſehen, und es wird dies um ſo mehr Wirkung haben, wenn er ſich in der nächſten Stunde über das Geſehene Genaueres berichten läßt.

Denken wir an das Pflanzenreich. Vor etwa dreißig Jahren ſagte ein Bewohner einer benach⸗ barten Stadt, ein Mann aus dengebildeten Ständen, als man ihm eine Kornblüte zeigte, er habe immer geglaubt, das Korn(der Roggen) blühe blau. Er hatte die blauen Kornblumen für Blüten des Korns gehalten. Vor dieſem Irrthum wollen wir doch unſere Schüler hüten. Getreide⸗ felder können ſie ſehen, ſie brauchen ſich dazu nicht weit von der Stadt zu entfernen, es iſt damit hier nicht wie in London oder Paris. Aber freilich müſſen wir ſie, damit ſie auch wirklich ſehen, aufmerkſam machen, müſſen ihnen auch wohl blühendes Getreide verſchiedener Art mitbringen. Ähnlich iſt es mit anderen Pflanzen, die auf unſern Feldern angebaut werden. Ebenſo mit Obſt⸗ blüten, mit Gartenblumen. Von großem Werthe ſind uns die ſchönen Anlagen um die innere Stadt. Im erſten Frühjahre ſchon, oder eigentlich noch ehe nach dem Kalender der Frühling beginnt, haben die Haſelſtauden ihre Blütenkätzchen, bald folgen ihnen Birken, Erlen, Silberpappeln. Laſſen wir dies nicht ungenützt! Viele Arten von Bäumen können wir kennen lehren; beſonders auch Nadelbäume: außer der gemeinen Kiefer(pinus sylvestris) die Weymouthskiefer, die Fichte, die Lärche, mehrere Arten Thuja und Juniperus; die Libanonceder, von der der Friedhof ein ſchönes Beiſpiel aufzuweiſen hat, wird wohl nach einem Menſchenalter auch in den Anlagen ihre Pracht entfalten. Im vergangenen Sommer ſtand ſehr großer Hanf, Moorhirſe, Ricinus auf mehreren Grasplätzen. Auf all dies wollen wir ſeiner Zeit die Blicke unſerer Schüler lenken. Ein Schmuck unſerer Gegend ſind die Wälder mit ihren Eichen und Buchen, Kieſern und Fichten und(bei Oberurſel und Kronberg) Kaſtanien. Auch ſie laſſen wir nicht unbeachtet. Ebenſo die Wieſen mit ihren Blumen, von der Schlüſſelblume an bis zur Herbſtzeitloſe. Wer tiefer in das Gebiet der Pflanzenkunde eingehen