Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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Gebühr in das Bereich der Familie ausdehnen wollen. Aber manche Anregung, die wir geben, wird doch benutzt. Ich denke zunächſt einmal an den geographiſchen Unterricht und den ihn vor⸗ bereitenden. Unſere an Formen reiche Gegend bietet uns für dieſen eine Hülfe, die wir nicht ungenutzt laſſen ſollten. Wir wollen etwa vom Maine ſprechen, der uns als ein gutes Beiſpiel eines Fluſſes dient. Wir ermuntern, bis zum nächſten male ihn nach gewiſſen Geſichtspunkten, die wir aufſtellen, anzuſehen.*) Breite und Tiefe eines Fluſſes, Stromlauf, rechtes und linkes Ufer, ſteiles und flaches, natürliches und künſtliches Ufer, Hafen, Pegel, Brücke, Inſel: all dieſe Begriffe kommen ſomit klarer zum Verſtändniß, als wenn wir, ohne auf das, was wir hier in der Wirklichkeit haben, zu ſehen, mit den Schülern einen beſtimmten Paragraphen eines Buches, der über den Fluß im Allgemeinen handelt, durchnehmen wollten. Wie wichtig ein Fluß für das Verkehrsleben der Menſchen iſt, auch das kann, wenn gleich der Main, wie mancher andere Fluß, einen beträchtlichen Theil ſeiner Thätigkeit nach dieſer Richtung hin an die Eiſenbahnen abgegeben hat, immer noch an den Schiffen geſehen werden, die uns Holz und Holzkohlen aus dem Speſſart, Sandſteine aus der Gegend von Miltenberg, Baſaltſteine von Steinheim und ſo manches Andere bringen. Bei der Betrachtung dieſer Waaren werden zugleich die Gegenden, aus denen dieſe zu uns kommen, der Vorſtellung näher gebracht. Ebenſo wie unſern Fluß können wir, bis wir einmal(dann, wenn wir vorausſetzen können, daß unſere Schüler ſchon in den Taunus gekommen ſind) Beſſeres haben, zur Erläuterung der bei einem Berge vorkommenden Begriffe unſere nahen Hügel benutzen. Bei Kindern findet ſich öfters die Vor⸗ ſtellung, ein Berg ſei innen hohl. Ein Blick auf die Kalkbrüche des Bornheimer Berges und weitere Schlüſſe aus dieſem Blicke können dieſem Irrthum ſteuern. Größere Schüler haben wohl aus der Erfahrung eine Anſchauung von Bach, Fels, Thal. Sorgen wir, daß dieſe Anſchauung zu einer wirklichen Kenntniß wird, dadurch, daß wir ſie von früh auf daran gewöhnen, alles, was ihnen neu vorkommt, verſtändig und genau zu betrachten. So haben wir alſo hier in der Nähe wenigſtens leidliche Beiſpiele für die meiſten geographiſchen Formen. Allerdings nicht für die großartigſten: Alpen und Meer. Hier kann unſere Beſchreibung durch Bilder unterſtützt werden. Einige recht gute, für beide Formen, bietet unſere Städel'ſche Gemäldegallerie. Wenn Kühner**) ſagt, ſolche Muſeen ſeien nur mit ſehr beſchränkendem Vorbehalt Bildungsſtätten für Kinder, ſo ſtimme ich ihm bei. Aber dieſen Vorbehalt möchte ich darin finden, daß wir, wie auch er ſelbſt***) als Bedingung ſetzt, ihre Führer ſind, ihr Auge beſchränken und das Einzelne verſtändig und gründlich betrachten lehren. Wenn wir alſo im geographiſchen Unterrichte etwa am Meere ſtehen, ſo können wir wohl unſern Schülern einige Bilder in dieſer Gallerie angeben, die ſie(etwa nächſten Sonntag nach der Kirche) dort betrachten können. Wenigſtens einige unſerer Schüler werden wohl dieſer Aufforderung folgen. Haben wir ſelbſt dann Zeit, hinzugehen und mit ihnen unmittelbar die Seeſtücke zu betrachten, ſo iſt es um ſo beſſer.

*) Vgl. Kühner S. 8.Es handelt ſich nicht darum, das Sehen zu verbieten, ſondern dem Kinde ſehen zu helfen. Und hier fällt nicht nur denen, die das Kind wirklich durch die Stadt leiten können, unmerklich eine Pflicht zu, ſondern auch die Schule, namentlich Anſchauungsunterricht, Heimathskunde und Geſchichte, mögen hier eine verdienſtliche Aufgabe finden. Es gilt, das Kind zu orientiren. Wir müſſen es von der unklar verſchwimmenden Maſſe ab auf einzelne und würdige Partieen zu lenken und hier das Intereſſe zu eingehender Betrachtung zu ſammeln ſuchen.

**) A. a. O. S. 12.

*2) A. a. O. S. 13.