Aufsatz 
Frankfurt am Main als Arbeitsfeld für Unterricht und Erziehung; Licht und Schatten
Entstehung
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für den folgenden Monat gibt. Das hauptſächlichſte Hülfsmittel bleibt aber doch der Himmel ſelbſt. Wer nicht dieſen, nicht nur einmal, ſondern oft, verſtändig anſieht, bringt es darin zu nichts. Und es iſt dem gebildeten Manne, der nur den ernſtlichen Willen dazu hat, nicht ſchwer, ſich allmählich am Himmel zurechtzufinden. Wer nur ein Sternbild kennt, etwa den großen Wagen, der kann leicht mit Hülfe des Himmels ſelbſt und einer Sternkarte andere kennen lernen und ſeine Kenntniß immer mehr erweitern. Gerade jetzt würde ich rathen, den rothen Mars, der gegenwärtig ſo ſchön(ſo drohend, würde man in der Blütezeit der Aſtrologie geſagt haben) im Löwen am Abendhimmel ſteht, einige Wochen lang(es gehören an jedem Abend nur wenige Minuten dazu) zu beobachten, ſich den Regulus und einige andere Sterne des großen Löwen zu zeichnen, und den Mars in der Stellung, die er jeden Abend hat, einzutragen. Dieſe Mühe darf man ſich nicht verdrießen laſſen; ſie hilft zum genauen, gründlichen Erkennen. Ich bin überzeugt, daß Mancher, wenn er dies auch nur drei Wochen lang gethan hat, ſagen wird: Nun erſt weiß ich, was es heißt, die Planeten blieben nicht an ihrer Stelle, nun erſt verſtehe ich auch ihre Neigung gegen die Erdbahn, nun erſt bin ich im Stande, das, was ich ſo lange aus Büchern gelehrt, ganz anders, nämlich aus eigener Anſchauung und Erkenntniß, zu lehren.Aber es ſteht uns kein Fernrohr zu Gebote, durch das wir die Monde des Jupiter oder die Lichtgeſtalten der Venus ſehen könnten. Nun, auch dafür ließe ſich vielleicht Rath ſchaffen. Uebrigens ſind die Dinge, zu deren Betrachtung wir das Auge bewaffnen müſſen, vorerſt bei weitem noch nicht die Hauptſache. Thales und Plato, Hipparch und Ptolemäus, ſelbſt noch Kopernikus und Tycho de Brahe waren auf ihre eigenen, geſunden Augen angewieſen.

Ich habe mich lange hierbei aufgehalten; aber ich glaube auch, der Gegenſtand iſt wichtig genug dazu. Manches frühere Wort, das ich hier oder dort zur Empfehlung der Betrachtung des Himmels geſprochen habe, iſt nicht ganz ungehört verklungen; mögen auch die hier geſprochenen Worte Anklang finden und dazu beitragen, daß, und zwar nicht bloß in unſerm Frankfurt, diegoldne Schrift durch den Sternenraum von Vielen auch geleſen und verſtanden werde.

Dies wäre alſo eines von den Bildungsmitteln, welche*) die Schule in ſich aufzunehmen hat.

Ein anderes gibt uns unſere Gegend. In einem früheren Verhältniſſe habe ich mit Schülern während der Schulzeit häufig Gänge gemacht und Berge und Bäche und Wälder ſelbſt mit ihnen angeſchaut.**) Es hat das in einer größeren Stadt bei zahlreich beſuchten Schulklaſſen ſeine oft unüberwindliche Schwierigkeit. Ich ſelbſt habe hier in Frankfurt faſt ganz Abſtand davon genommen, laſſe nur manchmal eine beſchränkte Anzahl von Schülern zu mir kommen, damit ſie unter meiner Leitung die Sterne betrachten, oder mache mit einigen der eifrigeren Schüler einen Gang hauptſächlich zu mineralogiſchen Zwecken. Meiſt muß ich(und ſo wird es wohl bei der Mehrzahl meiner Berufs⸗ genoſſen in unſerer Stadt und überhaupt an einem größeren Orte der Fall ſein) mich damit begnügen, auf Dinge, die die Kinder außer den Stunden anſehen können und die dann in der Schule näher behandelt werden ſollen, aufmerkſam zu machen. Nicht immer haben dann alle betreffenden Schüler das Empfohlene angeſehen; die Weite des Weges, das Wetter und manches Andere hat ſie wohl daran verhindert. Erzwingen können wir hierin nichts; wir würden ſonſt unſere Herrſchaft über

*) Vgl. Kühner S. 30. **) Heimatskunde 2. Aufl. S. 37, 42, 90 u. ſ. w.