— 45—
ſtrengſten Sinne zu nehmen iſt. Im Oſten und im Süden begrenzen niedrige Höhen, nach dem Maine hin ſteiler abfallend, die ebene Fläche, die ſich dann öſtlich und weſtlich weiter ausbreitet. Der Main ſelbſt iſt nicht breit, aber doch zur Schifffahrt geeignet, ebenſo wie im Sommer zum Bad und in manchen Wintern zum Eislauf. Beim Schmelzen des Schnees und Eiſes oder auch nach anhaltendem Regen überſtrömt er wohl die Ufer und dringt in einige Straßen der Stadt. Im Norden ſcheidet ein flacher Höhenzug das engere Gebiet des Maines von dem der Nidda. Fern im Oſten ſind, ſchon von der Gegend der Sachſenhäuſer Brücke aus, einige blaue Vorberge des Speſſart zu ſehen. Im Nordweſten erheben ſich die ſchöngeformten Linien des zweigipfeligen Taunus; Hum⸗ boldt erinnerte ſich wohl einmal an ihn, als er in Südamerika den Anblick der Cordilleren genoß. Gehen wir etwas weiter, ſo können wir von den nahen nördlichen Höhen aus in blauer Ferne den Odenwald und bei heiterer Luft den breiten Donnersberg ſehen. Die Höhe bei Bergen bietet eine ausgedehnte Rundſicht, der leicht erreichbare und viel beſuchte Taunus reichen Wechſel der Landſchaft.
Der Boden iſt hier ſchwarz und fett, dort kalk⸗ oder lehmhaltig, dort ſandig; auf den Hügeln und theilweiſe auch in der Ebene finden ſich, nicht tief von Dammerde bedeckt, Geſteine verſchiedener Art. Das Maingerölle weist durch ſeine Kieſel nach dem Speſſart, den weiter entfernten oberen Maingegenden, dem Fichtelgebirge hin. Gemüſeland, Felder mit Getreide, Futter⸗ und Ölkräutern, Weinberge, Wieſen, Obſtbäume, Laubwald und Nadelwald, all dies findet ſich in der Nähe der Stadt. Mittlere und kleine Städte(Offenbach, Bockenheim), Marktflecken(Bergen, Rödelheim), große und kleine Dörfer(Bornheim, Eckenheim), einzelne Höfe, Mühlen, Hammerwerke, Fabriken beleben das Land. Die Röderhöfe, die Warten, die Burgruinen am Taunus und in Dreieichenhain führen in das Mittelalter; in die Römerzeit das ſogenannte Heidenfeld zwiſchen Heddernheim und Praunheim, Vilbel, deſſen Name zwar nicht mehr, wie ehemals, aus dem Spätlateiniſchen(von villa bella) abgeleitet wird, wo aber, wie der beim Bau des Bahnhofs ausgegrabene, jetzt im Muſeum zu Darmſtadt befindliche ſchöne Moſaikboden zeigt, ſicher Römer wohnten, und noch beſſer die Saalburg hinter Homburg mit den zum Theil aufgeſchloſſenen Trümmern eines römiſchen Standlagers und den noch ſichtbaren Spuren des Pfahlgrabens. Eiſenbahnen, Landſtraßen, Telegraphenlinien durchziehen das Land.
Die innere Stadt ſelbſt, von den Vorſtädten durch einen Kranz von Parkanlagen mit einigen Weihern geſchieden, iſt nicht übermäßig groß, kaum mehr als eine Viertelſtunde lang, ſo daß man von jedem Punkte derſelben bald draußen ſein kann. Sie hat nicht ſo wie Nürnberg, Lübeck oder Danzig alterthümliches Gepräge bewahrt, doch iſt ſie auch nicht ſo neu und regelmäßig wie Mann⸗ heim, Karlsruhe oder Ludwigsburg; manche ihrer Gebäude zeugen von der Thätigkeit und dem Kunſtſinne des Mittelalters; ebenſo die alte Mainbrücke. Denkmäler erinnern an geſchichtliche Ereigniſſe oder an Männer, die entweder für ganz Deutſchland oder doch für Frankfurt bedeutend ſind. Die Städel'ſche Bildergallerie, das Senckenbergiſche Muſeum mit ſeinen Sammlungen von Naturgegen⸗ ſtänden ſtehen dem Beſuche offen; der zovlogiſche Garten ladet ein, Thiere fremder Gegenden lebend zu ſehen.
Der Verkehr auf den Straßen iſt lebhaft. An den Schaufenſtern der Kaufläden ſind mancherlei Waaren, zum nothwendigen Gebrauche und zum Schmucke des Lebens dienend, ausgeſtellt, namentlich auch, in den Kunſt⸗ und Buchhandlungen, Bilder, die mit Werken großer Meiſter bekannt machen oder fremde Gegenden uns vorführen. Die Meſſen bringen, außer den„Meßfremden“ und ihren Waaren, mancherlei, was zur Schau einladet, Schönes und— neuerlich vielleicht noch mehr—


