Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
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Jedoch, fügt Forster zum Schluss die höchst denkwürdigen Worte hinzu¹),so viel Wahrschein- lichkeit die oben angeführte Hypothese auch erhalten haben mag, so wenig bin ich geneigt, sie... auf alle gebirgigen Inseln des Stillen Meeres anzuwenden. Ich bin vielmehr im Gegenteil überzeugt, dass viele derselben eines weit älteren Ursprungs und wohl gar nur Überbleibsel einer ehemaligen grösseren Strecke Landes sind. Forster giebt uns zwar diese Inseln nicht namentlich an, er stützt auch seine Behauptung auf nichts anderes als eine Fabel, die er von den Bewohnern der Gesell- schaftsinseln gehört hat, aber immerhin hat er seine Gründe gehabt auf diese Erzählung ein bedeu- tendes Gewicht zu legen, so bedeutend, dass er einen Teil der Inseln des Stillen Oceans unbedingt für Reste eines ehemaligen, grossen Erdteils hält. Forster unterscheidet also, um das Resultat seiner hauptsächlich die Inseln des Stillen Oceans betreffenden Untersuchungen kurz zusammenzufassen, drei Gattungen von Inseln:

1. Koralleninseln.

2. Ursprüngliche Inseln, entstanden durch Vulkanismus.

3. Festlandsbruchstücke.

Hiermit stehen wir aber vor einem Resultat, das mit den neueren, selbständig geführten Untersuchungen über denselben Gegenstand auffallend überein stimmt. Ist es doch dieselbe Einteilung, welche 100 Jahre nach Forster A. Kirchhoff²) nach Peschels) umfassender, wenn auch nicht überall stichhaltiger Forschung auf alle Inseln ausdehnte und von neuem zur Geltung brachte.

Doch wie denkt sich Forster die Entstehung der letzteren Inseln? Er glaubt, dass das ehemalige Land plötzlich, durcheinen gewaltsamen Erdbeben vernichtet und zerschlagen wurde, dass die betreffenden Inselnnur gleichsam als geringe Brocken oder Trümmer dem allgemeinen Umsturz entgangen sind). Derartige plötzliche Senkungen und Einstürze von Land in Begleitung von Erdbeben lassen sich vielfach nachweisen, es sind sogenannteinstante Senkungen, welche im Stillen Ocean besonders an einer Insel, an der Küste Neuseelands(Cookstrasse, Mündung des Wairauflusses), beglaubigt sind¹). Doch in dem Umfang wie hier angewandt, sind sie eine blosse Hypothese. Auf den meisten übrigen Inseln des Stillen Oceans kann von einer derartigen Erscheinung keine Rede sein. Allerdings treten uns daselbst Thatsachen entgegen, welche eine Senkung des Bodens unleugbar beweisen, aber diese Senkungen erfolgten nicht plötzlich, sondern allmählich, es sind die bekanntensekulären Senkungen, deren kolossale Wirkungen im Laufe der Jahrhunderte unserem Forster noch nicht bekannt waren. Dass hier aber durch allmähliche Sen- kung ein ehemals selbständiger Erdteil sein Grab gefunden hat, dafür sind Zeugen einerseits der auffällige Endemismus der Flora und Fauna einzelner Inselgruppen(vor allem Neuseelands, der Fidschi- und Hawaii-Inseln)), andererseits die Korallentiere und ihre Bauten: Sie können sichnur auf felsigen Grundlagen, in seichtem, warmen Wasser anbauen, und doch ragen ihre Steilbauten oft aus ungeheu- erer Tiefe empor. Daher müssen diese Fundamente der Koralleninseln, welche sich über eine weite

¹) Forster a. a. O. p. 135.

²) A. Kirchhoff, Deutsche Revue. 3. Jahrgang, Heft 4. Januar 1879. p. 96 105.

³) O. Peschel, Probleme. 3. Aufl. p. 24 ff. ) Forster a. a. O. p. 135, 136. ⁵³) Sir Charles Lyell, Principles of Geology. 12. ed. Lond. 1875. Vol. II. p. 83. ff. Peschel-Leipoldt, Phys. Geogr. Leipzig 1879. Bd. I. p. 271 und 366. Hann, v. Hochstetter und Pokorny, Allgemeine Geogr. 1875. 2. Aufl. p. 151.(3. Aufl. p. 290). *) O. Peschel, Probleme. 3. Aufl. p. 53. A. Kirchhoff a. a. O. p. 114. Peschel-Leipoldt a. a. O. I. p. 491. 2