8
und Ungenügende von Forsters Erklärung; denn hiernach könnten— und Forster war auch dieser Ansicht¹)— die Korallentiere auch aus unermesslicher Tiefe ihren Bau gleichsam wie Mauern auf- führen; allein dies ist nicht möglich.— Es ist jetat hinlänglich bekannt, dass riffebildende Korallen- tiere in einer Tiefe von mehr als 30— 45 m nicht mehr leben, demnach nicht aus grossen Tiefen den Bau aufführen können. Und doch finden sich Korallenmauern, welche weit über 45 m hinabgehen!— Die richtige Erklärung dieser rätselhaften Riesenbauten hat bekanntlich erst Darwin gegeben und nachgewiesen, dass bei fortdauerndem Sinken des Bodens sich aus dem Küstenriff ein Dammriff und daraus wieder schliesslich durch denselben Vorgang ein Atoll bildete.
Den Unterschied zwischen Küstenriff, Dammriff und Atoll hat Forster auch noch nicht gekannt, er fasst die beiden ersten Entwicklungsperioden der Koralleninseln in eine zusammen und spricht nur von hohen Inseln mit Riffen und von Felsenringen, welche eine Lagune einschliessen d. h. Atollen. ²)
Eine geistreiche, wenn auch nicht richtige Erklärung giebt dabei Forster für die Ringform der Atolle:„Die Würmer“, sagt er,)„welche das Riff erbauen, scheinen den Trieb zu haben, ihre Behausung vor der Macht des Windes und des ungestümen Meeres zu sichern; daher legen sie ihre Korallfelsen im heissen Erdstriche, wo der Wind mehrenteils immer aus derselben Gegend weht, dergestalt an, dass sie gleichsam eine kreisförmige Mauer bilden und einen See vom übrigen Meere absondern, 1wo keine heftige Bewegung statt findet, und der polypenartige Wurm eine ruhige Wohnung erhält.
Forsters sonstige Beobachtungen über die Beschaffenheit der Atolle lassen an Richtigkeit nichts zu wünschen übrig. Schon er hatte geseben, dass in dem kreisförmigen Riff zuweilen Offnungen sich finden, welche wir heute mit„Riffkanal“ bezeichnen, dass diese Durchfahrten aber für grosse Schiffe gewöhnlich nicht tief genug sind, und dass das Riff allemal einen fischreichen See ein- schliesst, welcher nach Forsters Vorgang den Namen„Lagune“ behalten hat. ¹)
Wir gehen nun zu den hohen Inseln über. Forster stellt hier an die Spitze den Satz5): „Unter den höheren Inseln wird kaum eine sein, welche nicht deutliche Spuren einer vormals vom Feuer oder eigentlich von Vulkanen erlittenen gewaltsamen Veränderung ihrer Oberfläche aufzeigen könnte“ d. h. also: Die hohen Inseln zeigen fast sämtlich deutliche Spuren von Vulkanismus. Forster selbst spricht sich darüber noch genauer aus:„Verschiedene hohe Inseln sind“, so fährt er gleich darauf fort,„geradezu durch die Kraft des unterirdischen Feuers aus dem Meere hervorgekommen, scheinen als Vulkane vom Boden des Meeres heraufgekommen zu sein“, er selbst hat während seiner Reise auf den Inseln teils thätige Vulkane, teils unleugbare Spuren von ehemaligen Vulkanen, teils grosse Veränderungen durch Vulkanismus gesehen. Für seine Behauptung führt er eine lange Liste von Beispielen an aus dem Stillen Ocean, dem Atlantischen Ocean und dem Mittelländischen Meer.
¹) Forster a. a. O. p. 46. ²) Demnach hat nicht erst De la Beche, wie Darwin meint, sondern bereits Forster gesehen, dass es ausser den
Atollen noch Inseln giebt, welche Riffe ringförmig einschliessen. Vgl. Charles Darwin, Naturwissenschaftliche Reisen. Deutsch von E. Dieffenbach. Bd. II p. 248. Charles Darwin, Ueber den Bau und die Verbreitung der Corallen-Riffe. Uebersetzt v. J. Victor Carus. Stuttgart 1876. p. 88.
³) Forster a. a. O. p. 128.
⁴) Forster a a. O. p. 127.
⁵) Forster a. a. O. p. 128.


