Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
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genden Wüste übrig. Aber auch hier bestehen die Formationen des Bodens, welche nur teilweise mit Wüstensand bedeckt sind, teils aus tertiären Ablagerungen des Meeres, teils auch aus viel, älteren, bis hinauf zu gold- und kupferführenden Schichten des devonischen und silurischen Systems. Dazu kommt, dass das Vorrücken des Sandes von Ost nach West durchaus nicht erwiesen ist; nach Charles Martins halten sich die beiden in der Wüste herrschenden Winde, der Nordwest und der Süd, in ihren Wirkungen das Gleichgewicht; der eine führt den Sand zurück, den der andere vor- gerückt hat. ¹)

Auch der zerstörenden Kraft der Strömungen kann man keine grosse Bedeutung beilegen, zumal da sie nicht immer unmittelbar den Kontinenten entlang streichen, sondern durch eine kalte Schicht stehenden Wassers, welche sich zwischen die Strömung und das Festland schiebt, von letzterem abgehalten werden. ²)

Die wahren Ursachen der Ausbauschung im Westen und der Zuspitzung im Süden der Erd- teile sind bis jetzt nicht bekannt, doch erscheint, wenigstens für den pyramidalen Bau der Kontinente, die Erosion durch die Gezeitenwellen als die beste Erklärung. Leipoldt übergeht hier auffallender Weise diese periodische Oscillation des Wassers und ihre Wirkungen, obwohl er an einer andern Stelle grade der Ebbe und Flut die weitgehendste, verheerende Thätigkeit zuschreibt.*) Je flacher bekanntlich der Kontinent, um so höher staut sich die Flutwelle und um so verheerender ist ihre Wirkung. Da nun die Ostseite Südamerikas sehr flach verläuft und die Flut daher eine ungewöhn- liche Höhe(bis zu 15, 18, 20 Meter) erreicht, so erklärt es sich auch leicht, warum grade dieser Kontinent die schärfste Zuspitzung nach Süden zeigt.

Zweiter Abschnitt.

Inseln.

Nach Betrachtung der Kontinente geht Forster zweckmässig zu den Inseln über,welche neben den grossen Ländermassen eine Welt für sich bilden.

Die Inseln, sagt Forster,¹)welche wir auf unserer Reise gesehen haben, liegen teils im heissen, teils im gemässigten Erdstrich. Auf den ersten Blick scheint diese Notiz wenig be- deutend, ja nichtssagend zu sein. Indessen belehrt uns Forster selbst gleich eines andern: Er trennt die Inseln innerhalb der Wendekreise deshalb von denen des südlich gemässigten Himmels- striches, weil den letzteren sandige, sie umziehende Ebenen und Korallenriffe fehlen.) Und in diesem Satze liegt eine neue Errungenschaft der allgemeinen Geographie, welche wir Forster zu verdanken haben. Denn was können jene Worte anderes bedeuten, als dass Korallentiere in den gemässigten Zonen nicht vorkommen? Hat auch die neuere Forschung die Grenzen für das Auftreten der in Frage kommenden Korallentiere genauer bestimmt, auf der südl. Halbkugel dieselben bis zum 25⁰,

¹) Charles Martins, Von Spitzbergen zur Sahara. Aus dem Französischen von A. Bartels. Jena 1868. Bd. II. p. 286.

²) Witte, Über Meeresströmungen. Pless 1879. II. Ders., Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie. Lahr 1880. I. 2. p. 51. ff.

³) Peschel-Leipoldt a. a. O. I. p. 484 ff.

¹) Forster a. a. O. p. 5.

) Forster a. a. O. p. 5 und 6.