Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
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Zeitgenossen, besonders bei Pallas Anklang, welcher sie durch neue Bemerkungen noch zu bestätigen suchte; nach seiner Ansicht spricht ausser den von Forster erwähnten Vermutungen für eine vor- geschichtliche, grosse, von Süden herkommende Flut noch der Umstand, dass Asien an seinem süd- lichen Rande durch tief ins Land einschneidende Meeresarme(arabisches Meer, persisches Meer, dengalischer Meerbusen) zerrisssen worden ist, und dass das Meer auf der Westseite von Südamerika und Vorderindien bis dicht heran an das Gebirge reicht, dagegen auf der Ostseite sich das Hoch- land, vor der Flut von den Gebirgszügen geschütgt, sich ausbreitet.

Dass freilich die von Forster aufgestellte und von Pallas verteidigte Ansicht richtig ist, will ich nicht behaupten; es kommt mir einstweilen nur darauf an, zu zeigen, dass bereits vor Peschels Zeit Deutungen versucht worden sind.

Eine andere Erklärung gab von Hoffi): Er will die Konfiguration der Kontinente Kräften zu- schreiben, welche vom Innern der Erde aus nicht plötzlich, sondern allmählich die Gestalt der Erd- oberfläche verändernd wirken. Diese Erklärung bringt uns freilich keinen Schritt weiter, denn warum sich dann die Kontinente nach Süden zuspitzen und im Westen ausbauschen mussten, ist nicht einzusehen.

Hieran reihen sich erst die Erklärungsversuche Peschels, welcher imAusland 1867. Nro. 20. p. 45 ff. die Ausbauschung Australiens, Afrikas und Südamerikas an ihren Westküsten dem dort herrschen- den Passatwind und den dadurch veranlassten Verwehungen von Sand etc. sowie den Meeres- strömungen wenigstens schüchtern zuschreiben möchte. Diesen Gedanken gab er aber in seinenPro- blemen völlig auf, bis ihn Leipoldt(Peschel-Leipoldt, Phys. Geogr. p. 400) wieder aufnahm, darin aber augenscheinlich nicht nach den Gedanken und Absichten seines grossen Lehrers gehandelt hat. Peschel selbst wird gesehen haben, dass seine Deutung entschieden falsch ist. Bei Australien ist die Westküste zwar flach, aber nicht sandig, nicht mit Flugsand überdeckt, sondern von den Strahlen der Sonne hart gebrannt, bei Regenwetter aber lehmig. Auch an dem schmalen, niedrigen Küsten- strich westlich von den Anden Südamerikas fehlen dürre, mit losem Gestein bedeckte Wüsten fast ganz. Nur an den Gestaden von Peru zieht sich eine regenlose, sandige Einöde hin, welche aber einer- seits so spärlich mit Flugsand überdeckt ist, dass überall durch denselben die Gesteinsformation des Bodens zu Tage tritt*), andererseits jetzt wenigstens schon darum nicht weiter nach Westen vor- rücken kann, weil grade hier eine allmähliche Senkung des Bodens beobachtet wird ³). stlich von den Anden liegen die Verhältnisse ähnlich. In den Ebenen von Caracas bildet der Flugsand an vielen Stellen nur eine dünne Decke, das Gestein kommt beinahe zu Tage, es ist meist Rottotliegen- des, welches über mehrere tausend Quadratmeilen weg bis in die weiten Ebenen des Amazonen- stromes reicht*). Selbst wenn also die Anden sich nicht als unübersteigbare Mauer vor den Ebenen Caracas' und des Amazonas erhoben hätten, wäre das Wachstum dieses Kontinents nach Westen, hervorgerufen durch die Kräfte der Luft und die Beschaffenheit des Bodens, noch fraglich, nicht not- wendige Folge. Es bliebe also nur noch Afrika mit seiner weit in den Atlantischen Ocean vordrin-

¹) v. Hoff, Gesch. der natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche. Gotha 1822. Bd. 3. p. 210 ff.

²) Alex. v. Humboldt, Reise in den Aequatorialgegenden des neuen Kontinents. In deutscher Bearbeitung von Hermann Hauff. Stuttgart 1860. Bd II. p. 368.

²⁵) Charles Darwin, Geologische Beobachtungen über Südamerika Obersetzt von Victor Carus. Stuttgart. 1878 p. 71 ff. Peschel-Leipoldt a. a. O. I. p. 358 f.

*) Alex. v. Humboldt a. a. O. II. p. 414. IV. p. 356 f.