Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
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2) dass östlich von jeder keilförmig zulaufenden Kontinentalspitze eine oder mehrere Inseln

liegen.

3) dass an den westlichen Küsten eines jeden Kontinents das Meer einen grossen Busen

bildet.

Amerika, führt Forster weiter aus¹),hat seine Andes, welche von Norden nach Süden lau- fen und sich im Kap Froward endigen oder noch über die Magellanische Meerenge hinausgehen. Der Busen an der westlichen Küste wird um den Wendekreis des Steinbocks sehr merklich. Ost- wärts von der Südspitze ab liegt das Feuerland nebst Staatenland und den Falklandsinseln. Afrika bildet nordwärts vom Aquator einen ansehnlichen Busen. Die hohen Felsen am Vorgebirge der guten Hoffnung machen den südlichen Schluss einer langen Gebirgskette, welche von da an nordost- wärts fortstreicht. Madagaskar nebst andern kleineren Inseln liegt ostwärts oder nordostwärts von der südlichen Spitze. Asien endigt sich nach Süden im Kap Comorin, einer hohen Felsenspitze, welche das äusserste Glied der Gebirge von Gatte ist. Jenseits Cambaya gegen den Sindstrom oder Indus liegt ein Busen, der dem vorigen ähnlich sieht, und östlich vom Kap Comorin liegt die Insel Ceylon. Neuholland läuft in eine hohe felsige Südspitze aus, welche das Ende einer langen Reihe weit ins Norden streichenden Gebirge zu sein scheint. Die merkwürdige Anlichkeit Neuhollands mit Afrika im äussern Umriss wird man übrigens beim ersten Anblick gewahr, indem der westliche Meerbusen an beiden so sichtbar ist. Ostwärts von Neuholland sieht man die zwei grossen Inseln, aus welchen Neuseeland besteht. Freilich ist in Bezug auf den letztgenanten Kontinent nicht zu vergessen, dass Forster, da er die erst 30 Jahre später entdeckte Bassstrasse noch nicht kannte, Tasmanien als die Südspitze des neuen Kontinents ansieht; indessen bleibt doch der Vergleich richtig;denn, sagt mit Recht O. Peschel*),Tasmanien darf als die Südspitze von Australien angesehen werden, da die Bassstrasse sehr seicht und Tasmanien in einer vergleichsweise kurzen geologischen Vergangen- heit mit dem nahen Festlande verbunden gewesen ist.

Wenn aber Peschel gleich darauf behauptets), dass bisher niemand eine Vermutung geäussert habe, welcher Wirkung von Naturkräften jene seltsamen Khnlichkeiten beigemessen werden möchten, so ist dies falsch. Denn schon Forster sagt):So viele zusammenstimmende Beziehungen scheinen nicht bloss zufällig, sondern vielmehr Folgen einer allgemein wirkenden, einigen Ursache zu sein. Diese Ursache getraue ich mir nicht mit Gewissheit'anzugeben; nur mutmassen möchte ich, dass jene Khnlichkeiten in der Gestalt der Länder einer gewaltigen Uber- schwem mung von Südwesten her ihr Dasein zu verdanken haben, wenn gleich der Zeitpunkt dieser mächtigen Veränderung und die nähere Betimmung ihrer Art zu wirken unerforschlich bleiben müssen. Forster war demnach der Ansicht, dass eine grosse von Südwesten herkommende Meeres- flut auf die südlichen Kontinente losstürzte, dieselben im Südosten in der Richtung von SW. nach NO. durchbrach und dadurch auf der Ostseite die Inselbildung, die Überreste) der ehemaligen viel grösseren Kontinente, veranlasste, dass dagegen auf der Westseite, wo die Kontinente mit ihrer ganzen Breite sich dagegen stemmten, der Widerstand zu gross war, die Flut daher nur die grossen, tiefen Busen auswühlte. Diese von Forster gegebene Erklärung fand bei mehreren seiner

¹) Forster a. a. O. p. 4.

¹) O. Peschel, Probleme 3. Aufl. p. 70. ³) O. Peschel, a. a. O. 3. Aufl. p. 71. ) Forster a. a. O. p. 3. f.