Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

und schrieb i. J. 1778 seineObservations made during a voyage round the world, welche indessen wiederum nicht angenommen, nun aber selbständig herausgegeben wurden.¹) Gleich in demselben Jahre erschien von ForstersObservations eine französische Ubersetzung, bald darauf 1783 wurden dieselben von seinem Sohne Georg ins Deutsche, 1785 teilweise ins Schwedische und 1788 ins Holländische übersetzt. Schon dieser Umstand, die Ubersetzung des Werkes in mehrere Sprachen und die damit zusammenhängende Verbreitung desselben unter die für geographische Entdeckungen und Probleme interessierten Nationen, giebt uns einen Beweis für den Wert und die Bedeutung desselben und legt uns zugleich die Frage nahe, was wohl Forsters Werk unter diesem unscheinbaren Titel bieten mag. Die Antwort darauf giebt uns Forster selbst gleich in der Einleitung zu seinen Bemerkungen: Natur im weitumfassendsten Wortverstande: Erde, Meer und Luft, organische und belebte Körper, hauptsächlich aber das Menschengeschlecht*) ist der Gegenstand der Betrachtung, also kurz eine all- gemeine Geographie mit Ausschluss der mathematischen will Forsters Werk sein. Doch dies ist ja noch nichts Bedeutendes; war doch erst kurz vorher im Jahre 1773 eine physikalische Geographie erschienen und noch dazu aus der Hand des berühmten Schweden Tobern Bergmann, welchem sich Forster überdies in Plan und Anordnung seines Werkes eng angeschlossen hat; es muss also noch etwas anderes das Buch den Zeitgenossen Forsters so wertvoll gemacht und dessen weite Verbreitung veranlasst haben: Es waren, wenn wir genauer zusehen, die zum grossen Teil neuen Ansichten über Fragen aus der allgemeinen Geographie, welche die gelehrte Welt überraschten und das Interesse auf sich ziehen mussten, es waren vor allem die Klarheit und überzeugende Kraft, mit welcher diese Ansichten ausgesprochen wurden und jedermann als dauernd wertvoll zum Bewustsein kamen.

Um aber auch den Zeitgenossen, vor allem Cook gerecht zu werden, dürfen wir nicht die Umstände ausser acht lassen, unter welchen die Forster die Reise machten. Bei aller Begabung und ungeachtet des bedeutenden Wissens, womit sie ihre Reise antraten, ist der Einfluss Cooks und seiner reichen Erfahrungen auf dieselben nicht zu unterschätzen. Cook hatte von 176871 die erste wissenschaftliche Weltumsegelung unternommen. Schon als scharfer Kopf und zuverlässiger Beobachter durch seine Arbeiten an den Küsten von Neufundland und Labrador bekannt, rege und empfänglich für alle neuen Eindrücke, hatte er dann vier Jahre lang durch den täglichen, freundlichen Verkehr mit den für ihre Fächer begeisterten Naturforschern am Bord des Endeavour, mit Banks, Solander und Green, enorm viel gelernt und dann selbstverständlich auch wieder anregend und befruchtend auf Forsters Thätigkeit gewirkt. Auf manche der umfassenden Beobachtungen, welche wir bei Forster finden, mochte daher Cook seine Aufmerksamkeit zuerst gelenkt haben. Auch Sparrmann, der bereits eine Reise nach China und eine zweite nach dem Kapland unternommen hatte, sowie die Astronomen am Bord mögen mehr oder weniger beigetragen haben Forster anzuregen. Damit aber erscheint sein Verdienst keineswegs geringer, wohl aber die Vielseitigkeit seines Interesses und seiner Wahr- nehmungen erklärlicher.

Welches sind nun im Vergleich zur Vorzeit die neuen Ansichten in Forsters Bemerkungen? In wie weit haben diese nach dem heutigen Stande der geographischen Wissenschaft Bestätigung oder Widerlegung gefunden? Die Beantwortung dieser für die Geschichte der Geographie vielleicht nicht

¹) G. Forster, J. R. Forsters Reise etc. Bd. I. Vorrede p. 2. 3. ²) Forsters Bemerkungen. Einleitung p. IV.