Aufsatz 
Johann Reinhold Forsters Bemerkungen auf seiner Reise um die Welt / Johann Rittau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Johann Reinhold Forster war von der englischen Regierung als Naturforscher und Historiograph ¹) für die zweite Reise desunermüdeten Seemanns Cook von 1772 1775 engagiert und nur sein junger Sohn Georg ihm zum Gehülfen bestimmt worden. Als aber wenige Monate nach der Abfahrt von Plymouth die Expedition an das Kap der guten Hoffnung kam und die beiden Porster hier den Reichtum an ganz neuen Pflanzen, Vögeln und Tieren von allen Arten sahen, glaubten sie der grossen und beschwerlichen Aufgabe, die sie sich gestellt hatten, auf die gauze lebende und leblose Welt in den noch zu erforschenden Landen ihr Augenmerk zu richten, allein nicht gewachsen zu sein. Wollten sie also keinen Teil der Naturgeschichte vernachlässigen, so war es sehr wichtig für sie einen geschickten Gehülfen zu finden. Zum Glück trafen sie nun damals am Kap den Schweden Dr. Sparrmann,einen vortrefflichen und geschickten jungen Menschen, Doktoren der Arzneigelahrtheit zu Upsal, einen Schüler des grossen und berühmten Ritter von Linné; ihn gesellten sie sich mit Cooks Einwilligung als Gehülfen auf eigne Kosten zu. 2)

Nach Beendigung der Reise liess Forster, der den Endzweck seiner Sendung fest im Auge behielt und sowohl die Pflicht als auch das Recht hatte eine Reisebeschreibung zu geben, letztere sein angelegenstes Geschäft sein. Die brittische Regierung stellte ihm auch eine ansehnliche Summe für das Werk in Ausicht und verlangte, dass er aus seinen und Cooks Tagebüchern eine grosse Geschichte der glücklich überstandenen Entdeckungsreise schreiben sollte. Forster hatte bereits einen Teil von Cooks Tagebuch erhalten und einige Bogen seiner Arbeit zur Probe eingereicht, als der Plan von der Regierung verworfen und am 13. April 1776 ein schriftlicher Vergleich zwischen Cook und Forster getroffen wurde, wonach jeder einen bestimmten Teil des Reisematerials zur Ausarbeitung angewiesen erhielt. Forster überreichte nun dem Grafen Sandwich, Präses des Admiralitätscollegiums, eine zweite Probe seiner Beschreibung, musste aber zu seiner nicht geringen Verwunderung sehen, dass auch dieser neue Versuch nicht angenommen wurde; er sollte nach dem oben erwähnten Vergleich, worin das WortErzählung absichtlich vermieden war, nicht berechtigt sein eine zusammenhängendeErzählung der Reise zu schreiben, sondern sich nur auf einzelne philosophische Bemerkungen beschränken. Forster bequemte sich auch zu dieser Vorschrift

¹) Georg Forster, Johann Reinhold Forsters Reise um die Welt wähernd den Jahren 1772 bis 1775. Beschrieben und herausgegeben von dessen Sohn und Reisegefährten. Bd. I. Berlin 1778. Vorrede p. 1 f.:Die brittische Regierung schickte und unterhielt meinen Vater auf dieser Reise als einen Naturkundiger, aber nicht bloss dazu, dass er Unkraut trocknen und Schmetterlinge fangen... sollte. Man erwartete von ihm eine philosophische Geschichte der Reise... eine Reisebeschreibung

²) J. R. Forsters und G. Forsters Beschreibung der Gattungen von Pflanzen auf einer Reise nach der Süd-See gesammelt. Aus dem Lateinischen übersetzt durch Johann Simon Kerner. Stuttgardt 1779. Vorrede p. 3. 4. Georg Forster, J. R. Forsters Reise etc. Bd. I. p. 51.

1