Aufsatz 
Neue Gesichtspunkte in der Theorie der Kegelschnitte / von Ernst Ritsert
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Die Arbeitsstunden fanden im letzten Winterhalbjahr in zwei getrennten Abteilungen statt, von denen die untere die Klassen Sexta, Quinta und Quarta, die obere Unter-Tertia, Ober-Tertia und Unter-Sekunda umfaßte. Sie wurden Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 5 bis 6 (beziehungsweise 7) Uhr für die unteren, von 5 bis 7 für die übrigen Klassen abgehalten. Mittwoch und Samstag Nachmittag waren aus mancherlei Gründen freigelassen, insbesondere auch aus Rücksicht auf die Schüler aus der weiteren Umgebung Laubachs.

Was die Zahl der Schüler betrifft, die hier unter Aufsicht von Lehrern ihre häuslichen Arbeiten anfertigten, so betrug diese in Sexta vier von fünf, in Quinta acht von elf, in Quarta acht von fünfzehn, in Unter-Tertia zehn von dreizehn, in Ober-Tertia neun von elf, in Unter-Sekunda neun von fünfzehn, also in der unteren Abteilung zusammen zwanzig, in der oberen achtundzwanzig. Es ist das ein verhältnismäßig bedeutender Procentsatz, der beweist, wie freudig diese Einrichtung von den verschiedensten Seiten begrüßt wurde.

Vom größten Wert ist sie natürlich für die Schüler aus weiterer Ferne, die der unmittelbaren Anregung durch die Eltern entzogen sind, einer Anregung, die gerade in dem Lebensalter, das erst lernen muß zu arbeiten, unentbehrlich ist. Aber auch viele von den Schülern, die in Laubach selbst oder in den umliegenden Orten ihre Heimat haben, wurden von ihren Eltern zur Teilnahme an diesen Stunden angemeldet, weil entweder die häuslichen Verhältnisse ein ruhiges, ungestörtes Arbeiten verhinderten, oder die Eltern aus Mangel an Zeit oder den nötigen Kenntnissen nicht imstande zu sein glaubten, die Arbeiten ihrer Söhne in der Weise zu überwachen, wie sie es für nötig hielten.

Diese Beaufsichtigung und UÜberwachung in den Arbeitsstunden war in peiden Abteilungen naturgemäß verschiedener Art.

Bei den unteren Klassen handelte es sich zuerst darum, Anleitung zur Erleichterung beim Arbeiten zu geben. Denn die Schüler dieser Klassen sind es vor allem, die durchaus nicht verstehen, wie man lernen soll. Ihnen geht auch die Fähigkeit ab, ein größeres Pensum bequem einzuteilen, und die Folge davon ist, daß sie übergroße Zeit zur Erledigung einer oft gar nicht bedeutenden Aufgabe verwenden müssen. Nicht unwichtig sind ferner kleine Vorteile, die ihnen beim Lernen von Vokabeln, Gedichten u. s. w. gegeben werden konnten, die nicht der eigentlichen Lehrstunde angehören und dem Schüler doch von Nutzen sein können, weil sie ihm Zeit sparen. Das Haupt- gewicht lag aber natürlich darauf, vor allem die Schüler dieser Klassen an Sorgfalt und Genauigkeit im Arbeiten zu gewöhnen. Welchem Lehrer, der diesen Unterricht je versehen hat, wäre es nicht häufig vorgekommen, daß Schüler erklärten, zu Hause hätten sie die betreffende Aufgabe ganz gut gekonnt, während sie dieselbe in der Schule durchaus fehlerhaft aufsagen. Dieser Oberflächlichkeit und Ungenauigkeit ein Ende zu machen, darauf war das Augenmerk der beaufsichtigenden Lehrer hauptsächlich gerichtet. Sehr oft meldete sich ein Schüler, mit der Angabe, daß er seine Aufgabe gründlich gelernt hätte; beim Abhören stellte sich heraus, daß noch manche Lücke vorhanden war, manches Wort, manche Stelle der Befestigung bedurfte. Zu Hause sich selbst überlassen würde der Schüler sein Buch guten Glaubens zugeklappt haben, um dann in der Lehrstunde, also zu spät, von seiner eigenen Unsicherheit überzeugt zu werden. Khnlich war es bei den schriftlichen Arbeiten. Die Schüler konnten rechtzeitig auf das Vermeiden von Fehlern aufmerksam gemacht werden, die sich noch öfters in ihrer weiteren Arbeit gefunden hätten, wenn sie ihre Arbeiten allein zu Hause gefertigt hätten. Wenn beispielsweise im Rechnen mehrere ähnliche Aufgaben gestellt waren, so war es nach Durchsicht der ersten derselben möglich, die Aufmerksamkeit des Schülers auf Unrichtigkeiten darin zu lenken, die sich in den nächsten Aufgaben durchweg wiederholt haben würden. Auch zu sauberem Schreiben und Reinlichkeit in den Heften überhaupt wurden die Schüler angehalten.

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