Aufsatz 
Neue Gesichtspunkte in der Theorie der Kegelschnitte / von Ernst Ritsert
Einzelbild herunterladen

36

Arbeitsstunden gewissermaßen also in die Schule zu verlegen. Es wurde dabei betont, daß es nicht eine mechanische Nachhilfe sei, die beabsichtigt würde, sondern Anleitung dazu, daß alle Schüler nach und nach zu gleichmäßigen Leistungen befähigt würden. Indem die Kommission auf die in früheren Zeiten an einigen inländischen Lehranstalten gewonnenen günstigen Erfahrungen und auf die guten Erfolge des an dem Gymnasium zu Mainz bestehenden Internats hinwies, beschloß sie der Großherzoglichen Staatsregierung zur Erwägung anheim zu geben, ob es sich nicht empfehle, zum Ersatz der häuslichen Arbeitsstunden fakultative Arbeitsstunden unter Leitung geeigneter Lehrer an einzelnen Lehranstalten des Großherzog- thums Hessen einzuführen. Der Antragsteller Geh. Medizinalrat Dr. Ludwig wies in der Motivierung darauf hin, wie ungünstig manche Schüler gegenüber den Anforderungen der Schule gestellt seien. Bald mangle es an der Aufsicht der Eltern, bald an der Arbeitsstube, ganz abgesehen davon, daß Anlagen und Arbeitslust der Schüler derart sind, daß unter den bestehenden Verhältnissen ein gleichmäßiges Fortschreiten derselben unmöglich ist.

Wie liegen nun gegenüber den Anforderungen, die die Schule an den häuslichen Fleiß der Schüler stellt, die Verhältnisse in Laubach? Unter hundert Schülern sind achtzig auswärtige. Der Einfluß des elterlichen Hauses die Anregung zu regelmäßiger, fleißiger Arbeit kann in den Bemühungen des jeweiligen Pensionsvaters bei dessen geringerer Autorität und naturgemäß schwächerem Interesse für die bei ihm wohnenden Schüler häufig nicht aus- reichenden Ersatz finden. Und so hat denn die Schule schon manche Pflicht übernommen, die sonst dem elterlichen Hause zukommt. Sie hat bestimmte häusliche Arbeitsstunden angeordnet, deren Einhaltung von den Klassenführern kontroliert wird. Trotzdem hören die Klagen der Lehrer über Schüler, die ihre häuslichen Arbeiten nachlässig anfertigen, nicht auf. In einigen Fällen lassen sich die geringen Leistungen der Schüler auf mangelnden Fleiß in Folge von ungeniügender Aufsicht bei den häuslichen Aufgaben zurückführen; in anderen, und das trifft besonders bei Schülern der unteren Klassen zu, darauf, daß dieselben nicht zu arbeiten verstehen, weil sie dies, wie es notwendig ist, noch nicht gelernt haben. Solche Jungen bleiben hinter ihren Mitschülern zurück, sie erfüllen das Klassenpensum nicht, werden nicht versetzt und verfehlen meistens das vorgesteckte Ziel.

Im Hinblick auf Vorstehendes und gestützt auf den Beschluß der oben genannten Kommission hat das Lehrerkolleg des Fridericianum die Frage, ob es wünschenswert sei, in Laubach die Arbeitsstunden unter Aufsicht von Lehrern abzuhalten, bejaht. Das Lehrer- kolleg hat sich bereit erklärt, die Aufsicht zu übernehmen, und wenn es auch nicht möglich ist, die Anleitung und UÜberwachung der Arbeiten völlig unentgeltlich einzurichten, so ist der geforderte Betrag fünf Mark vierteljährig, bei Brüdern drei Mark für jeden so gering, daß gegenüber den großen Vorteilen, die die neue Einrichtung gewährt, wohl kein Bedenken getragen wird, von derselben Gebrauch zu machen. Es ergeht nun an Sie das Ersuchen, bei Beginn des Wintersemesters zu erklären, ob Ihr Sohn, beziehungsweise Ihre Söhne an den unter Aufsicht von Lehrern abzuhaltenden Arbeitsstunden teilnehmen soll. Der Anfang ist auf Montag den 6. Oktober festgesetzt.

Die hierdurch vorgeschlagene Einrichtung von fakultativen Arbeitsstunden unter Aufsicht von

Lehrern erfreute sich großen Anklangs. Da es nun für die Eltern der daran teilnehmenden Schüler, vielleicht auch für andere von Interesse sein wird, die dabei getroffenen Anordnungen und gemachten Erfahrungen kennen zu- lernen, so teilen wir in Folgendem den Bericht mit, den Herr Dr. Mohr mit Unterstützung der ebenfalls bei der Aufsicht beteiligten Herren Lahm, Dr. Buchhold, Bergheimer

in dieser Beziehung erstattet hat:

.