Aufsatz 
Über den Ursprung der französischen Sprache.
(Fortsetzung.)
Entstehung
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und hat ſie in lateiniſchen Wörterchen dem Geiſte der eignen Sprache angepaßt, ſo drang ſich in allen andern Wörtern eben dies Bedürfniß, Verſtändliches aufzufaſſen, den in die römiſchen Provinzen eingedrungenen Volkern um ſo viel mehr auf, als ſie wichtiger, als Partikel, ſind. Es läßt ſich daher auch denken, daß ſie aus dem Lateiniſchen ſolche Woͤrter hervorſuchen mußten, die ihrem Begriffsweſen, demnach auch dem Geiſte ihrer Sprache, ſich anſchmiegten, aus dem Angenommenen und Verſtandenen neue Wörter herleiteten und ſo den vorſchwebenden Gedanken in Gemäß⸗ heit der eignen Sprache wiedergaben. Das verſtehe ich darunter, wenn ich behaupte, man habe nicht im Geiſte der Roͤmer, ſondern im Geiſte der deutſchen Sprache den Ausdruck in den Miſchſprachen geſchaffen, wie es ſcheint, auf eine ſehr mühſame Weiſe, ſo mühſam, wie es ſich im mittleren Latein ankündigt. Dies Streben, ſich einen dem Geiſte der eignen Sprache angemeſſenen Ausdruck zu ſchaffen, zeigt ſich in der Ausſprache, in der Wahl der Wörter und deren Umſchaffung, in der Behandlung des Formweſens, in dem ſyntaktiſchen Theile der Sprache und ſelbſt in der Verbin⸗ dung und Stellung der Worte. Ueber dies Alles will ich uacherselichn usch Suuiaes vorbringen.) en tie

§. 1. Wörter der lateiniſchen Sprache in deren Umgeſtaltung.

Bekanntlich iſt es ſchwer, Wörter einer fremden Sprache in einer richtigen Ausſprache gleich denen, die von Jugend auf daran gewöhnt ſind, zu gebrauchen. Es folgt demnach von ſelbſt, daß, wenn die in Gallien eingedrungenen Franken ſich der romaniſchen Sprache bedienten, in deren Munde die fremden Wörter auf eine Weiſe hervorgebracht wurden, wie das an die Ausſprache, des Deutſchen gewöhnte Organ es zuließ. Es mußte daher auch das lateiniſche Wortweſen im Franzbſiſchen eine andere Geſtalt gewinnen. So ſetzen die Holländer zwiſchen n-er und l-er ein d, als: hoen Huhn, pl. hoender, Keller kelder, und eben dies bemerken wir im Franzdſiſchen auf eine regelmäßige Weiſe in: je vien-d-rai, tendre von tener, je voudrai, foudre von fulgur, ceindre von cingere, geindre von gemere, moudre von molere. In einigen deutſchen Mundarten wird k vor beſtimmten Vokalen wie k] auf eine Weiſe ausgeſprochen, daß es wie tj klingt und beide Conſonanten auch wohl verwechſelt werden. Es iſt moͤglich, daß, da eben dies auf lateiniſche Wörter angewandt iſt, die lateiniſche Sprache hierin Vorſchub leiſtete, gewiß aber iſt es, daß

daher der Ziſchlaut in den Miſchſprachen ſtammt und dieſer erſt mit dem Einfall der 1*