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zuvor Maler und Zeichenlehrer in Hersfeld. Es fehlte alſo noch der erſte Conrektor, zu deſſen Ernennung es erſt ein Jahr ſpäter kam, und bald zeigte ſich ein weiterer Mangel, indem von den bereits ernannten der für die neueren Sprachen beſtimmte Dertinger noch vor dem Anfang der Schule zurücktrat, angeblich wegen geſchwächter Geſundheit, hauptſächlich aber, wie aus ſeinem Ab⸗ ſagungsſchreiben erkennbar iſt, weil ſeine Ernennung ſich wider ſein Erwarten um einige Monate verzögert hatte. Dieſe Mängel hinderten jedoch den Beginn der Schule nicht und waren fürerſt leicht zu ertragen, da ſich herausſtellte, daß eine Prima nicht ſogleich gebildet werden könne, weil unter den zur Aufnahme angemeldeten Schülern keine für dieſe Klaſſe reif befunden wurden. Man hatte alſo nur drei Klaſſen zu verſorgen, und für dieſe reichte man mit den vorhandenen Lehrkräf⸗ ten aus.
Die genannten Lehrer trafen, ſoweit ſie nicht ſchon vorher ihren Wohnſitz in Rinteln gehabt hatten, gegen Ende des Monats Oktober hier ein; auch hatte ſich während dieſes Monats eine Zahl von 54 Schülern zur Aufnahme in die neue Anſtalt bereits angemeldet. Nun wurde die feierliche Einweihung und Eröffnung des Gymnaſiums auf den 31. Oktober, den dritten Säculartag der Reformation Luthers, angeſetzt, nicht in Folge eines zufälligen Zuſammentreffens, ſondern in der ausgeſprochenen Abſicht, durch die Verlegung auf dieſen Tag der Feierlichkeit eine höhere Weihe zu geben. Der neue Direttor Wiß hatte noch in einer vom 18. Oktober datierten Einladungsſchrifts) die Eröffnung auf dieſen Tag angekündigt. Aus Gründen, die jetzt nicht mehr erſichtlich ſind, wahrſcheinlich jedoch, weil die Schulfeier neben der Kirchenfeier auf Hinderniſſe ſtieß, ging man von dieſer erſten Beſtimmung ab und verlegte die Einweihung der Schule auf den 1. November.
An dieſem Tage, einem Sonnabend, verſammelten ſich die ſämmtlichen Lehrer der neuen Anſtalt Morgens in der Wohnung des Regierungsraths Schrader, welcher ſeit dem Anfang des Jahres den Vorſitz im Schulrathe führte, und wurden daſelbſt von ihm in Gegenwart der übrigen Mitglieder des Schulraths verpflichtet. Von hier aus zogen dann alle, Lehrer und Schulrathsmit⸗ glieder, voran die bereits aufgenommenen Gymnaſiaſten, in das Schulgebäude, und zwar in das größte der damaligen Lehrzimmer, welches in dem vorderen Flügel des Communitätsgebändes vor der Bi⸗ bliothek gelegen iſt. Hier hielt zuerſt im Beiſein der Behörden vor einer zahlreichen Verſammlung Regierungsrath Schrader eine Rede„über den Geiſt, in welchem höhere Bildungsanſtalten vermöge „ihres Endzwecks zu leiten ſind“, vollzog die Einführung der Lehrer und kündigte die Eröffnung des Gymnaſiums feierlich an. Darauf hielt Direktor Wiß eine lateiniſche Antrittsrede de nexu mutuo literarum instaurationem inter et sacrorum reformationem**), in welcher er im dankbaren Aufblick zu Gott, daß die Erinnerung an die Reformation mit der Einweihung einer Anſtalt ge⸗ feiert werde, die im Geiſte Philipps des Großmüthigen und im Andenken an den edlen Fürſten
*) Gratia Guilielmi Primi, sapientia conciliorum in rebus sacris et scholasticis Cassellis atque Rintelii Gymnasium recens conditum indicit Dr. Wiss. Rintelii d. XVIII. Octobr. MDCCCVII.
**) Beide Reden ſind abgedruckt in der Einladungsſchrift zur Geburtstagsfeier des Kurfürſten im J. 1818.


