Aufsatz 
Mitteilungen aus der Geschichte des Gymnasiums zu Rinteln
Entstehung
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Zunächſt wurde der Plan des neuen Gymnaſiums mit Berückſichtigung der anbefohlenen Abänderungen durch den Druck vervielfältigt*) und verbreitet, der Nachricht von der bevorſtehenden Gründung der Auſtalt durch eine Bekanntmachung des hieſigen Conſiſtoriums in der Sammlung von Geſetzen für die kurheſſiſchen Staaten Jahrgang 1816 Nr. XVI, ſowie durch Ankündigungen in öffentlichen Blättern, z. B. der jenaiſchen Literaturzeitung, dem hamburgiſchen Correſpondenten u. a. möglichſte Verbreitung gegeben und dabei die Hoffnung ausgeſprochen, daß die Eröffnung ſchon im Anfang des nächſten Jahres Statt finden werde. Die Sache ging jedoch nicht ſo ſchnell. Zu⸗ nächſt forderte die Herſtellung der Schulräume längere Zeit. Dem Gymnaſium war das ehemalige Univerſitätsgebände zugewieſen, mit Ausnahme derjenigen Räume, die zur Wohnung des reformierten Geiſtlichen dienten. Um für die neue Beſtimmung brauchbar zu ſein, mußte darin erſt vieles geändert werden. Bevor man aber zu bauen anfangen konnte, mußte erſt das nöthige Geld ver⸗ willigt ſein, was oft auf große Schwierigkeiten ſtieß. Als für die erforderlichen Bauherſtellungen auf eine Verwilligung von 4360 Thalern angetragen worden war, erfolgte der Beſcheid, auf ſo außer⸗ ordentlich hohe Koſtenanſchläge könne gar nicht eingegangen werden; ſie würden deshalb zurückgeſchickt, und es ſeien dafür herabgeſetzte, nur auf das Nothwendigſte beſchränkte einzuſenden.

Längere Zeit war auch zu Gewinnung tüchtiger Lehrer erforderlich. Es fehlte zwar keines wegs an Bewerbern um die neuen Lehrerſtellen; aber die Entſcheidung über die unter ihnen zu treffende Wahl machte die Einziehung zuverläſſiger Urtheile über deren Qualification nöthig, die nicht immer ſchnell zu erlangen waren. Die Unterhandlungen, die man anknüpfte, um für die erſte Lehrerſtelle einen bewährten Schulmann zu gewinnen, waren zeitraubend und führten doch nicht immer zum erwünſchten Abſchluß. Man hatte für dieſes Amt unter anderen an den bekannten Lexicographen G. H. Lünemann gedacht, der damals zweiter Lehrer(bald nachher Rektor) am Gymnaſium zu Göttingen war, mußte aber nach einiger Zeit die Hoffnung, ihn hierher zu ziehen, aufgeben. Durch alle dieſe Hinderniſſe verzögerte ſich die Eröffnung der Anſtalt, die man anfangs ſchon zu Neujahr, dann zu Oſtern auszuführen gedacht hatte, bis in den Spätherbſt dieſes Jahres.

Von den neuen Lehrern, die zur vollſtändigen Beſetzung der Anſtalt nach dem Plane ge⸗ hören ſollten, waren durch Reſcripte vom 12. September 1817 erſt ſieben ernannt: 1) zum Direktor und erſten Lehrer mit dem Titel Profeſſor Dr. Gottlieb Wiß, vorher Nektor in Schmalkalden; 2) zum erſten Rektor Ludwig Boeclo, zuvor Rektor an der hieſigen reformierten Schule; 3) zum zweiten Rektor Dietrich Heinrich Weibezahn, zuvor Rektor an der hieſigen lutheriſchen Schule; 4) zum zweiten Conrektor Friedrich Wilhelm Kilian, zuvor Conrektor bei derſelben Schule; 5) zum Lehrer der mathematiſchen und phyſikaliſchen Wiſſenſchaften Dr. Kaspar Garthe in Marburg; 6) zum Lehrer der neueren Sprachen Karl Dertinger, zuvor naſſau⸗oraniſcher Legationsſecretair; 7) zum Lehrer für Schreiben, Rechnen und Singen der Organiſt Wilhelm Volkmar in Hersfeld. Zu dieſen kam durch ein Reſcript vom 3. Oktober 8) als Zeichenlehrer Georg Heinrich Storck,

*) Plan zu einem in Rinteln zu errichtenden Gymnaſium. Rinteln 1816.