Aufsatz 
Mitteilungen aus der Geschichte des Gymnasiums zu Rinteln
Entstehung
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Falle von ſeiner ſonſtigen Weiſe völlig abging. Aber abgeſehen von der rechtlichen Seite der Frage, die wir hier unerörtert laſſen, kann man jetzt kaum zweifelhaft ſein, daß rückſichtlich der Zweckmä⸗ ßigkeit die Abſicht der Regierung, die aufgehobene Univerſität nicht mehr ins Leben zu rufen, Bil⸗ ligung verdiente. Für einen Staat von der Größe und Bevölkerungszahl Kurheſſens genügte eine Univerſität vollkommen. Schon damals hatte ſich überall gezeigt, daß die kleinen Univerſitäten in Deutſchland einen ſchweren Stand hatten, und daß die Mittel, die früher zu Unterhaltung einer Univerſität ausgereicht hatten, bei den geſteigerten Anforderungen für akademiſche Inſtitute, Lehrmittel und Lehrperſonal eine beträchtliche Vermehrung nöthig machten. Dieſen erhöhten Anſprü⸗ chen gegenüber waren aber die Einkünfte aus den hieſigen Univerſitätsgütern unzureichend: der Bruttoertrag derſelben hat ſich nach den Aufſtellungen der Güterverwaltung im Jahren 1813 nicht höher als auf 15,367 Thaler und einige Groſchen belaufen. In Wahrheit lag alſo die Wahl vor, ob man die Univerſität durch Zuſchüſſe, die ſehr beträchtlich ſein mußten, neu dotieren oder mit den bisheri⸗ gen beſchränkten Mittel wieder herſtellen und verkümmern laſſen wollte. Dazwiſchen aber konnte die Wahl nicht ſchwer fallen. Hierzu kam, daß gerade in jener Zeit das Bedürfniß der Bildung, welche auf Gymnaſien erlangt wird, überall lebhaft gefühlt wurde nnd viele neue Anſtalten dieſer Art ins Leben rief. Endlich muß auch noch in Betracht kommen, daß der Theil der alten Uni⸗ verſitätsrevenüen, welcher zur beſſern Ausſtattung der marburger Univerſität und zur Gründung des Gymnaſiums benutzt wurde, damit eine Verwendung erhielt, welche dem Zwecke, für den jene Güter ſtiftungsmäßig beſtimmt waren, näher als jede andere Verwendungsart kam.

3. Gründung des Gymnaſinms.

Die Staatsregierung hatte, wie erzählt iſt, im Mai 1815 den Landſtänden erklärt, daß ſie die Anſicht habe, in Rinteln ein Gymnaſium zu errichten. In der That waren auch ſchon im Jahre zuvor Verhandlungen darüber zwiſchen den Conſiſtorien in Caſſel und in Rinteln gepflogen worden, und der damalige Präſident der Regierung und des. Conſiſtoriums dahier, Geheimerath Wilhelm Auguſt von Meyerfeld hatte ſich der Sache mit Eifer angenommen. Das Hauptverdienſt in Betreibung derſelben hatte aber der Regierungsrath Dr. Chriſtian Wiederhold, welcher gleichfalls Mitglied des hieſigen Conſiſtoriums war. Bei den oben erzählten Verhandlungen mit den ſchaumburger Ständen hatte er die Regierung als landesherrlicher Commiſſar vertreten, und ſein Werk war der ausführ⸗ liche Plan, welcher für die Organiſation der neuen Anſtalt entworfen und zur höheren Genehmigung vorgelegt worden war.

Es beſtanden damals in Rinteln zwei nach den evangeliſchen Confeſſionen von einander geſchiedene Cantorſchulen, eine lutheriſche und eine reformierte, in denen der gewöhnliche Elementar⸗ unterricht ertheilt wurde. An jede derſelben ſchloß ſich eine höhere, auch in die alten Sprachen einführende Lehrſtufe, auf welcher der Unterricht von einem Rektor und einem Conrektor ertheilt