Aufsatz 
Mitteilungen aus der Geschichte des Gymnasiums zu Rinteln
Entstehung
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Greven Alveshagen, lat. Indago, genannt) wo er damals reſidierte, errichtet und am 27. April 1610 eingeweiht; es war aber nicht eine zu den Unibderſitätsſtudien vorbereitende, ſondern eine nach akade miſchem Zuſchnitt eingerichtete, wenn auch nicht mit den akademiſchen Privilegien ausgeſtattete Anſtalt, an der Profeſſoren aus den vier Facultäten lehrten*), vier für die theologiſchen, zwei für die juriſtiſchen, drei für die mediziniſchen und vier für die philoſophiſchen Lehrfächer, ein Perſonal alſo, das für eine kleine Univerſität damaliger Zeit ausreichend ſein mochte. Der zahlreiche Beſuch, welchen die Anſtalt bald nach ihrer Eröffnung erhielt, erweckte in dem Grafen den Wunſch, dieſelbe zu erweitern und nach Rinteln zu verlegen oder, wie er ſelbſt ſagt,um mehrer Bequemlichkeit willen des Weſer⸗Stroms ſolches Gymnaſium von berührtem Stadthagen zu verrücken und in die Stadt Rinteln, an der Weſer gelegen, zu transferieren und allda ſolches Gymnaſium den Unter⸗ thanen ſowohl, als auch den lieben Benachbarten zum Beſten zu einer gemeinen Academiam und hohen Schule gebührlich erhöhen und privilegieren zu laſſen.

Auf ein Geſuch, welches er deßhalb am 15. Jauuar 1619 an den Kurfürſten Friedrich von der Pfalz als damaligen Reichsvicar richtete, erhielt er von dieſem bald darauf für ſeine beabſich⸗ tigte Stiftung die akademiſchen Rechte und Privilegien, welche ſodann Kaiſer Ferdinand II. am 9. Mai 1620 beſtätigte**), in demſelben Jahre, in welchem er auch den Grafen Ernſt in den Reichs⸗ fürſtenſtand erhob.

Ein Jahr darauf nahm die Univerſität in Rinteln ihren Anfang. In dem Stiftungsbriefe*en), welcher das Datum des 17. Juli 1621 trägt, wird die neue Lehranſtalt reich ausgeſtattet; es werden ihr zugewieſen Einkünfte, Güter und Beſitzungen, welcheſchon in Vorzeiten zu der Ehre Gottes und Menſchen Seligkeit zu befördern aus guter Andacht gewidmet, deſtiniert und geſtiftet worden. Insbeſondere heißt es darin,ſetzen, ordnen und wollen wir, daß jetzt nachgeſetzte Stiftsgüter, nämlich der Kloſterhof in unſerer Stadt Rinteln, die Probſtei unſeres Kloſters zu Obernkirchen, und dann das deſolate Kloſter Egesdorff mit allen ihren allerſeits Pertinenzien an Land, Acker und Wieſen, Zehnten, Zinſen und Renten, Gülten, Höfen, Gütern, Rechten und Gerechtigkeiten in Holz, Waſſer und Weide, auch allen anderen Aufkünften und Gefüllen, wie ſie ſeien und Namen haben ... obgedachter unſerer von neuem fundierter und erhobener Akademie und hohen Schul, welches Ends wir derſelben in unſerer Stadt Stadthagen, Rinteln oder ſonſt unſerer Gelegenheit nach haben und halten werden, zu einer rechtlichen, unwiederruflichen, gewiſſen, ewigen, unaufhörlichen Dotation und Unterhaltung angeſetzt, appropriiert, ernennet, zugewendet, angewieſen, überlaſſen und zugeeignet ſein und bleiben ſollen.

*) In ſeinem Bittſchreiben an den Kurfürſten Friedrich von der Pfalz nennt er es daher ein generale studium. **) Die betreffenden Urkunden finden ſich abgedruckt in Lucä europäiſcher Helicon S. 509. Dolle a. O. S. 400.

**) Abgedruckt in den Marburgiſchen Beiträgen zur Gelehrſamkeit nebſt Neuigkeiten der Univerſitäten Marburg

und Rinteln. 3. Stück S. 228, auch in den heſſiſchen Landesordnungen Band 2 S. 604 und bei Dolle

S. 420.