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Am 30. Juli fand in gleicher Weise die Vereidigung des Lehrerkollegiums auf Seine Majestät König Wilhelm II. statt.
Die Entlassungsprüfung der Michaelis-Oberprimaner wurde am 22. August unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrates Dr. Lahmeyer abgehalten. Von den 15 Schülern, die sich gemeldet hatten, bestanden 14 dieselbe, einer war nach dem un- günstigen Ausfall der schriftlichen Prüfung zurückgetreten.
In der letzten Woche des Monats August wurden auf Anordnung des Herrn Unter- richtsministers sämtliche Schüler durch Herrn Prof. Dr. Schmidt-Rimpler aus Marburg einer Augenuntersuchung unterzogen. Diese Untersuchung geschah als Fortsetzung und Ergänzung derjenigen, welche 3 Jahre früher stattgefunden hat, und über die im Programm 1886 S. 38 ff. berichtet ist. UÜber die Ergebnisse der diesjährigen ist noch nichts bekannt geworden. Die Vor- untersuchung wurde von den Herren Oberlehrer Dr. Schütz, Dr. Bopp und Zint ausgeführt.
Die Progressionsfeier der Michaelisklassen mit Preisverteilung und die Entlassung der Abiturienten fand am 22. September statt. Die lateinische Abschiedsrede hielt der Abiturient Bettmann, die deutsche der Abiturient Ziehen.
Das Wintersemester begann am 8. Oktober. Herr Dr. Boelte beendigte mit diesem Zeitpunkte sein Probejahr, um als unbesoldeter Hülfslehrer an unserer Anstalt weiter thätig zu bleiben. An seine Stelle trat als cand. prob. Herr Dr. Wilhelm Hippenstiel. Zur Fortsetzung seines Michaelis 1887 durch das Militärjahr unterbrochenen Probejahrs trat Herr Heinrich Weiß ein(S. Progr. 1887 S. 29), so daß die Anstalt während des Wintersemesters 3 Probe- kandidaten beschäftigte. Von den unbesoldeten Hülfslehrern verließ Herr Jakob Koch die Schule, um eine Hauslehrerstelle in Italien zu übernehmen.
Am 7., 8. und 9. November fand durch Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial- Schulrat Dr. Lahmeyer eine eingehende Revision unserer Anstalt statt. Die mancherlei frucht- baren Anregungen, die wir aus dem persönlichen Verkehr mit dem Herrn Revisor und aus dem schriftlichen Revisions-Gutachten gewannen, verpflichten uns zum Danke, nicht minder die wohl- wollende Beurteilung unserer Leistungen.
Die Entlassungsprüfung der Osterabiturienten wurde am 13. und 14. März unter dem Vorsitze des Direktors abgehalten. Die 22 Oberprimaner, die in die Prüfung eingetreten waren, bestanden dieselbe, 9 wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Zwei der zu Prüfenden, welche bereits das Reifezeugnis eines, Realgymnasiums erworben hatten und als Hospitanten während des letzten Jahres in unsere Anstalt eingetreten waren, wurden nur im Lateinischen, im Griechischen und in der alten Geschichte geprüft. Am 22. März, der Gedächtnisfeier für Kaiser Wilhelm I, wurden die Abiturienten durch den Direktor mit einer Ansprache entlassen.
Mit dem neuen Schuljahr werden zwei der bisherigen wissenschaftlichen Hülfslehrer, Herr Dr. Banner und Herr Dr. Koob, als ordentliche Lehrer angestellt. Wir dürfen annehmen, daß der Plan besteht, auch die übrigen bisher provisorischen Stellen in nicht langer Zeit in definitive zu verwandeln. Die städtischen Behörden entschlossen sich zu diesem Schritte, nach- dem sich zeigte, daß die Errichtung des Staatsgymnasiums wohl einem vorhandenen Bedürfnisse Rechnung getragen, aber keineswegs eine Verminderung unserer Klassen möglich gemacht hat. Denn obwohl wir etwa 100 Schüler an die neue Anstalt abgaben, ist doch die Frequenz unserer Anstalt wieder so im Wachsen begriffen, daßz an eine Zusammenlegung zweier Klassen nirgend gedacht werden kann.(S. die Tabelle S. 60). Die Verfassung unserer Schule als eines 18-klassigen
Gymnasium 1889. 8


