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selben psychologischen Motive bei Tiberius wohl erklären. Allein nie wird ein Einfluß irgend eines Legaten von Belgica in Germanien erwähnt: auch könnte er, da dieser Legat keine Truppen hatte, nur wenig im Sinne des Tiberius schwäüchend gewirkt haben. So ist denn die einfachste Annahme die, welche Hettner aufstellte:»Der Titel Provincia wird nicht gegeben, weil der Ausmarsch ihrer Legaten lin Kriegszeiten nach Belgica] sonst einem Einmarsch in fremdes Gebiet gleich gekommen wäre«(Westd. Ztschr. II 2). Derselbe Grund konnte aber — dies sei nachträglich bemerkt— auch schon unter Augustus dazu führen, das Heeresgebiet nicht als Provinz Germania von der Provinz Belgica zu trennen!
Über die Ausdehnung der beiden Germaniae ist nur weniges überliefert. Unsere Karten und Handbücher rechnen durchweg zu Untergermanien die Ubii, Gugerni, Batavi und Tungri nebst ihren kleineren Nachbarstüämmen, zu Obergermanien einen kleinen Teil der Treveri am Rhein- ufer, die Vangiones, Nemetes und Triboci, manche aber auch noch die Raurici, Helvetii, Sequani und Lingones. Nun enthalten die Autoren, namentlich auch Tacitus, schlechterdings nichts was mit Sicherheit zu verwerten wäre. Denn Plinius, der als»germanische Stüämme in der Provinz Belgica« die Nemetes, Triboci, Vangiones, Ubii, Gugerni, Batavi und ihren Anhang, die andern sechs obengenannten aber als Gallier nennt(IV 106), will, wie dargethan, gar nicht unsere Pro- vinzen, sondern den Zustand in Augusteischer Zeit beschreiben; Ptolemaeus aber, der als Stämme von Germania in der Provinz Belgica die Bataver,[Ubier?], Nemeter, Vangionen, Tribokker, aber auch die Rauriker, Lingoner, Helvetier und Sequaner nennt(II 9), ist bekanntlich so reich an den oft unkontrollierbarsten Fehlern, daß auf sein alleiniges Zeugnis nichts gegeben werden sollte. Die Inschriften aber scheinen keinen weiteren Aufschluß zu geben, als daß eine Stadt der Bataver(Forum Hadriani, Voorburg) in Germania inferior lag(CIL III 4279). In Ermangelung älterer Nachrichten haben sich die modernen Geographen deshalb den späten Nachrichten ange- schlossen, welche aus der-Zeit nach Diocletian, also aus veränderten administrativen Verhältnissen, stammen, und welche nur Ubier(Agrippinenser) und Tungrer in der Germania secunda, Van- gionen, Nemeter und Triboker in der Germania prima aufzühlen, oder sie folgten dem Ptolemäus und gaben der Superior auch noch die Rauriker, Lingoner, Helvetier und Sequaner. Und doch paßt dies für die ältere Zeit nicht, für welche wir vielmehr, wie ich meine, bis sich einmal sichere Zeugnisse finden, das an sich Wahrscheinliche, d. h. das Zweckmäßige anzunehmen haben. Dies ist aber, daß den»Legati exercitus« diejenigen Civitates unterstanden, in deren Gebiete die militärischen Standlager waren, ¹) d. h. die Bezirke am Rhein ohne Unterbrechung von Vindonissa bis einschließlich zur insula Batavorum. Hierzu gehören sämtliche obengenannte Civitäten mit Ausnahme der Tungri, Sequani und Lingones. Die Batavi mit ihrem Anhang, die Ubii und Gugerni bewohnten also das untere, ein Teil der Treveri, die Vangiones, Nemetes, Triboci, Raurici und Helvetii das linksrheinische obere Germanien. Zieht man sich auf der Karte so die Grenzen, so erkennt man deutlich die Bedeutung der beiden Germaniae, deren obere Tacitus Hist. IV 59 und 70»superior Rheni ripa« Get ardua Alpium« 70) nennt.
Länger als ein halbes Jahrhundert nach Germanicus Abberufung dauerte die Festhaltung der Rheingrenze. Tiberius war»proferendi imperii incuriosus«; der Zug des Gaius Caesar, seines Nachfolgers, zunächst wohl veranlaßt durch einen Raubzug über den Rhein, der ger-
*) Vgl. Mommsen a. a. O. S. 214 und 233: also το οσσmσορσρσραιινππμιι να hꝛ⁷ eo Aανν oizobwres, um Dio LIX 20, 7 frei zu verwenden.


