Aufsatz 
Forschungen zur Geschichte der Rheinlande in der Römerzeit
Entstehung
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definitiv verlassen. Das Kastell, welches Germanicus»super vestigia paterni praesidii in monte Tauno«(Tac. Ann. I 56) errichtet hatte, wurde also auch aufgegeben und sicherlich von den Germanen zerstört. Mag es an der Stelle der späteren Saalburg oder des römischen Heddern- heim oder wo immer gelegen haben: jedenfalls enthalten diese uns bekannten römischen An- siedelungen, deren Entstehung wenigstens 60 Jahre später anzusetzen ist, keine Spur jener ur- sprünglichen Anlage mehr. So ist denn auch von keiner der Truppenabteilungen, die im Jahre 70 aufgelöst oder aus Germanien entfernt wurden, irgend eine Spur auf dem rechten Rheinufer zu finden.¹) Nicht so leicht zu entscheiden ist dagegen die Frage, ob die Römer wenigstens den großzen rheinischen Plätzen gegenüber je einen befestigten Brückenkopf beibehielten. In engem Zusammenhang hiermit steht die Frage nach den römischen Rheinbrücken. Selbstverständlich können solche nur dann vorhanden gewesen sein, wenn sie jenseits im feindlichen Lande durch eine Befestigung gedeckt waren; anderseits ist auch für eine solche Befestigung eine sichere

Brücke nach dem linken Ufer, wenn nicht eben notwendig denn die Verbindung konnte allenfalls auch durch die Rheinflotte hergestellt werden so doch, weil sie sonst allzu exponiert

wäre, sehr wahrscheinlich. Die Überlieferung erzühlt uns aufer von Caesars bald wieder abgebrochener ersten und seiner zweiten Rheinbrücke²) zunächst von Drusus die schwerverständliche Nachricht»Bonnam et Guesoriacum pontibus iunæxit classibusque firmavit«(Flor. II 30), die dem Zusammenhang nach auf eine Rheinbrücke hindeutet. Daß es in der Zeit, über welche Strabo 18 n. Chr. schrieb, wenigstens eine feste Brücke über den Rhein gab(und zwar spricht er wahrscheinlich von Mainz und der Zeit vor der Teutoburger Schlacht), darauf hat A. Hammeran) hingewiesen. Strabo sagt(IV 1 p. 194): rAοναηνσι τον νον Toνειʃιοι, τ2αάαιν oueς eονα SeETH⁴α Ʒυπ τιν οωιαααμoον ννννι τ⁴ σꝓσερασνσαναραοωννπιαυπν ꝙτον P'eoμιαιμννν νπεαιονυνννν bezieht sich in Wirklichkeit auf die Zeit von Strabo's Quelle]. Als seit 17 das rechte Rheinufer Feindesland war, brach man die Brücke zu den Chatten sofort(nicht erst im Jahre 35!) ab wenn man es nicht schon aus Furcht im Jahre 9 gethan hatte. Am Niederrhein wenigstens war nach 9 keine feste Brücke mehr. Als Germanicus dort 14 seinen Kriegszug begann, schlug er

¹) Wenn von der 14. Legion, die bis etwa 43 und dann wieder von 70 bis etwa 100 in Ober-Ger- manien stand, in Wiesbaden ein Grabstein(CIRh. 1516) und nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn Jacobi auf der Saalburg ein kürzlich gefundener Wagenradstempel ohne die zwischen 43 und 70 in Britannien gewonnenen Beinamen Martia Victrix erscheinen, so beweist dies beides nicht für die Zeit vor 43: denn diese Beinamen fehlen auch später oft, z. B. in Inschriften aus der Zeit Hadrians(CIL. III 2830), des Commodus (HIenzen 6492) u. a.; und wie auf den Ziegelstempeln von Heddernheim, Friedberg, Höchst, Hofheim, Wiesbaden, ebenso ist die Legion auch auf denen von Carnuntum in Pannonien, wo sie im zweiten Jahrhundert stand, ohne Unterschied bald ohne jene beiden Epitheta, bald mit ihnen benannt(CIL III 4661). Es gehören somit die obengenannten zwei Stücke erst der Zeit nach 70 an; auch, wenn echt, CIRh. 1339.

²) Caesar B. G. IV 17.20 VI 9. 29. 35. Von der Brücke des Jahres 53 sagt Caesar nicht, dass sie wieder abgebrochen, sondern nur daß der letzte Teil, 200 Fuß lang, herausgenommen und die Brücke durchgroße Befestigungen« geschützt wurde(VI 29). Man könnte vermuten, daß hier die erste Entstehung des römischen Bonn oder Köln oder eines anderen Rheinkastells angedeutet ist; Wolf denkt an Alteburg bei Köln(Jahrbb. 78, 54).

³) Westdeutsche Zeitschrift III 148 ff. Dafür daß Strabo die Brücke als noch bestehend ansah, hätte Hammeran auch auf das Perfectum reroinrat hinweisen sollen. Ob damals Mainz noch zum Gebiete der Treverer gehörte, erscheint mir, fraglich. Die Namen der Stämme am Rhein, welche Strabo a. a. 0. nennt, beruhen nämlich auf Caesar B. G. IV 10, und Strabo berücksichtigt nicht, daß in der Zwischenzeit, wie wir aus Augustus oder Agrippa(Plinius 1V 106) wissen, auch die Vangionen und Nemeter auf das linke Rheinufer über- gesiedelt waren. Doch diese ziemlich verwickelte Untersuchung bleibe lieber einer anderen Gelegenheit vorbehalten.