Aufsatz 
Die Idealisierung der Naturvölker des Nordens in der griechischen und römischen Literatur
Entstehung
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bei Tacitus durch die Lectüre des Sallust, nicht aber im einzelnen Falle aus dieser oder jener Stelle desselben ausgeschrieben.*)

Ob nun die zwei Fragmente Sallusts über die Germanen nur einer gelegentlichen kurzen Bemerkung entnommen sind, oder ob er sie bei der Schilderung des Sklavenkrieges, bei welchem germanische Sklaven eine wichtige Rolle spielten, oder bei einer Darstellung der Reichsgrenzen beschrieben habe, oder wann sonst, wissen wir nicht; auf die Scythen aber kam er durch den Mithradatischen Krieg zu sprechen.

So stimmt also Tacitus in der Germania mit den Scythendarstellern nur zufüällig, oder selbstverständlich, oder durch gleiche Stimmung veranlasst, nirgends aber absichtlich und vielfach geradezu gar nicht überein; Sallust kennt keine Germani, welche er mit den Scythen in derselben ethnographischen Beschreibung vereinigen konnte, sondern nur solche an Rhein und oberer Donau; Justin und die anderen weisen uns statt auf Sallust haupt- sächlich auf griechische. Vorbilder zurück, welche Köpke und seine Anhänger gar nicht berücksichtigt haben; Tacitus endlich folgt in seiner Stimmung dem Seneca und Lucan, also der stoischen Opposition, während seine Nachrichten auf Cäsar und den späteren Mittheilungen über Germanen beruhen. Es erübrigt zum Schluss nur noch in grösster Kürze einige Worte über die Stellung des Tacitus zu sagen, von welchem diese Unter- suchung ausging.

Wie S. 4 gesagt, will Tacitus zunächst weiter nichts, als die Germanen durchaus wahrheitsliebend und ausführlich beschreiben, als ein interessantes und seinem Studienkreise angehöriges Volk. Dass sie bei ihm Gleiches oder Aehnliches mit den Scythen haben, ist in keiner Weise aus einer bestimmten Absicht zu erklären.**) Die empfindsame Stimmung aber, welche den Tacitus überall und besonders auch in der Germania beherrscht, lässt ihn hier das Meiste daraufhin betrachten, ob es zu der Fülle germanischer Kraft in Beziehung stehe, oder ob es diese vielleicht vermindere. Einige in diesem Sinn wichtige Stellen sind S. 5 angeführt; andere wären etwa noch z. B. die über die einfache Weisheit ihrer Gesetz- gebung»deliberant, dum fingere nesciunt; constituuat, dum errare non possunt«(c. 22), über die Ursache ihrer Tapferkeit»quodque praecipuum fortitudinis incitamentum est... familiae et propinquitates«(c. 7), ferner occasione discordiae nostrae etiam Gallias adfecta- vere(37) u. a. Aber auch die Grenze ihrer Kraft beurtheilen wichtige Aeusserungen in c. 4, 23, 33(s. o.) und Andeutungen, in welcher Weise die Römer erfolgreich in die germanischen Sachen eingegriffen haben, z. B. raro armis nostris, saepius pecunia iu- vantur(die Könige der Markomanen) nec minus valent(c. 42) vgl. c. 15: iam et pecu-

*) So auch Baumstark a. a. O. S. 104, vgl. S. 99.

**) Den von Köpke und Wiedemann citirten Parallelstellen wäre zuzufügen: Tac. 5 possessione et usu haud perinde afficiuntur= Justin. II 2, 7 aurum et argentum non perinde ac reliqui mortales adpetunt.

Tacitus.