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manen an, ebensowenig wie die Geten irgend einem Schriftsteller vor dem dritten Jahr- hundert n. Chr. als Germanen galten. Ja dies lüsst sich aus Sallust selbst noch nach- weisen, dessen zwei Fragmente über den Danubius(III 55, 56 Kr.) man wohl als Beweis des Zusammenhangs seiner Germanen- und Skythenschilderung anführte. Nun heisst fg. 55 aber nicht nur, wie es Kritz nach»Acro« und Arusianus anführt»nomenque Danubium habet,« sondern es ist nach der neuen Ausgabe des Porphyrio(ad Hor. carm. IV 4, 38) von W. Meyer vollständiger erhalten:»n. D. h. ut ad Germanorum kerras adstringit.« Da zeigt sich deutlich, dass Sallust die Bastarner und wer sonst an der unteren Stromhulfte, dem Hister, wohnte, nicht für Germanen hielt, letztere aber wie Cäsar nur im Westen, nämlich an der oberen Stromhälfte, dem Danubius, annahm. Die Germanenfragmente gehören also gar nicht zum sifus Ponti, wohl aber die beiden vom Hister(56) oder Danubius(55); der Wortlaut des Letzteren spricht wenigstens dafür, dass Sallust diesen Fluss von öst- lichem Standpunkt aus, wie Herodot u. a., nach aufwärts betrachtete. 3
Ferner ist gegen Köpke's Ansicht einzuwenden, dass wenn Sallust auch die Germanen in seiner Idealschilderung genannt hätte, für die Dichter, die ihm folgten, gar kein Grund gewesen wäre, sie nicht gleichfalls zu nennen. Köpke meint zwar S. 222, die Ursache sei, dass zur Zeit des Augustus»Nationalstolz und manche andere Rücksichten verbieten mochten. den gefährlichsten Reichsfeind, der an den Grenzen Galliens drohte, als Tugendmuster zu preisen.« Aber dieser Einwand wird bei genauerer Erwägung der chronologischen Verhält- nisse hinfällig. Sallust schrieb die Historien in den letzten Jahren vor seinem 35 erfolgten Tode, Vergil aber die Georgica von 37— 30, Horaz endlich sein Gedicht wie man annimmt um 29 oder 28: alle drei also schrieben zu fast der gleichen Zeit und unter gleichen Verhältnissen; am Rhein herrschte Frieden, und das Lob der Germanen musste entweder Allen gleichmässig oder Keinem gestattet sein.
Dass Tacitus, da er bisweilen mit jenen Scythenschilderungen übereinstimmt, mit ihnen aus Sallust schöpfte, wird noch dadurch sehr unwahrscheinlich, dass er nicht nur, wie schon gezeigt, in den meisten Punkten ganz selbständig von ihnen abweicht, sondern auch c. 46 das Leben zu Wagen, welches Horaz und Justin bei den Scythen rühmen, gerade als ein Unterscheidungszeichen der Sarmaten von den Germanen hervorhebt, wie er auch c. 1 Germanien von Sarmatien genau abgränzt.— Uebrigens idealisirte Sallust auch die entlegenen Völker gar nicht, wie Köpke meint, sondern nur die Römer der alten Zeit(s. S. 25): und nur auf diese beziehen sich die von jenem angeführten Parallelstellen aus Catilina und Jugurtha, wie z. B. dass damals gute Sitten besser walteten als Gesetze (Cat. 9) und dass man die Habsucht nicht kannte(ibid. 10). Erstere Bemerkung hat auch Justin von den Scythen, und dass dieser oder vielmehr Trogus einem Griechen folgte, macht der Schluss seiner Darstellung zweifellos(s. o.): dieser Grieche hatte also dieselbe naheliegende Bemerkung gemacht. Die Beweisführung Köpke's erscheint somit in dieser Hinsicht als ein bloses Spiel mit Möglichkeiten, und wir müssen uns damit begnügen, in Tacitus und den Lobrednern der Scythen dieselbe Stimmung zu erkennen, genüährt vielleicht.


