Aufsatz 
Die Idealisierung der Naturvölker des Nordens in der griechischen und römischen Literatur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

d fur sich interessanten Germanen beschrieb, wobei aber die strenge Wahrheitsliebe des 3 ars, sein Streben die Sachen möglichst genau zu erfahren und möglichst wahrheitsgetreu arzustellen, jetzt bei aller Betonung mancher Schwächen und Unklarheiten kaum mehr von Jemanden in Abrede gestellt wird. Dazu kommt die Frage nach dem Verhältniss der 3 Germania zu den Historiae. Ist sie(wie u. A. Becker 1830, Horkel 1849, Holtzmann 187 meinen) geradezu ein Theil der verlorenen Bücher der Historiae, oder eine Vorarbeit de Iben, oder ist sie aus den Vorarbeiten zu denselben, indem diese sich zu sehr erweiterten(so Eussner) oder indem ein anderer Grund zu ihrer schnelleren Veröffentlichung vorlag, herausgewachsen und zu einer eigenen Schrift geworden? Letztere Ansicht habe ich(Pos II, 1865 p. 193 203) zu begründen gesucht, sie ist seitdem von A. Eussner (NJahrbb. f. Philol. 1868 p. 650) und neuerdings auch von W. Teuffel(Röm. Lit.-Gesch. 8. 749 n1) angenommen worden, und auch ich habe seitdem keinen Grund gefunden von ihr abzugehen. Danach gab der um 85 n. Ch. begonnene grosse Krieg der Römer gegen die Germanen und andere Völker lüngs der ganzen Donaugrenze Veranlassung zur Abfassung eines Excurses über die Germanen in den Historien; dieser kam in die uns verlorenen Bücher derselben; während er aber im höchsten Fall den Umfang von 12 bis 15 Capiteln haben konnte, verarbeitete Tacitus die Materialien für diesen Excurs gleichzeitig mit der Aus- arbeitung der Historiae auch für die um so viel ausführlichere Specialschrift, welche dann 98 n. Ch. erschien. Ebenso machte es um dieselbe Zeit Arrian fuhrlichen Geschichte Alexanders d. Gr. noch die Trdiαm als Specialschrift folgen liess,. welche sich gleichfalls auf Alexander bezieht« wie die Schlussworte lauten, und die in ihrer Anordnung eine gewisse Achnlichkeit mit der Germania zeigt.

, indem er seiner aus-

Diese hat nun ausser ihrer sachlichen Reichhaltigkeit auch jene oben erwähnte eigen- kthümlich subjective F ärbung. Mir scheint es, als habe für letztere Horkel(Geschichtschreiber der deutschen Urzeit, I. pag. 636) das eigentliche treibende Motiv ausgesprochen in den Worten: »Was die Natur des Landes im Ganzen erkennen liess, was bezeichnend war für des Volkes 5 Leben nach aussen und innen, und woraus man abnehmen konnte, aus welchen Quellen dieses Volk seine Kraft und seinen Muth schöpfte, das alles musste gesammelt 6 werden« u. s. w. War dies aber wirklich das treibende Motiv, und alles Einzelne stimmt damit überein und nichts widerspricht ihm so beruht diese Auffassung, diese Hochschätzung Germanischen Muthes und naturwüchsiger Kraft, ja die Furcht davor eben auf dem Gegensatz der urguentia imperii fata(Germ. 33; cf. ann. XI. 20. hist. IV. 26; 54).*) Das Reich war aber im Herabsinken, wie der a die alte libertas der gentilicischen Herrschaft dem obseq war. Zugleich war nach seiner Ansicht Rom jetzt und s Verführung verfallen und hatte das frühere naturgemtsse

ristokratische Tacitus meint, seit uium gegen die Kaiser gewichen eit lange aller Schlechtigkeit und Leben gänzlich verlernt. Daher

*) Später, um 250, spricht schon Commodianus(apolog. 798 ff.) die bestim

mte Prophezeiung aus, die Gothen würden einst Rom erobern!