Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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mit dem er auch nicht mehr ganz geheim thut, sondern das er sogar seinen Vertrauten und den Feinden anvertraut.(Vgl. S. 35, 36.) Nicht der Gedanke, sondern sein Wille ist nun die tragische Schuld. Allerdings ist es ihm mit der Erreichung einer Königskrone noch nicht völlig ernst, wie er glaubt, er spielt nur noch mit dem Gedanken daran, aber man erkennt, dass Wallen- stein nur noch einen Schritt zu machen braucht, freiwillig oder gezwungen, um dieses Ziel wirklich zum Ernste zu machen. So wird nun Wallenstein allmählich Realist; dem Streben, dem Vaterlande Glück zu bringen, steht schon eine gleich mächtige Sehnsucht nach Macht, Gütern, Reichthum und sogar nach einer Königskrone gegenüber. Ja, letztere droht jenes sogar zu überragen; seine Begierden ziehen ihn zur Erde.(Vgl. T. 793 809; II. 2. 109 125.)

Die Begierde nach einer Königskrone, 1 deren Erlangung das Reich des Kaisers noch mehr zerstückelt und verkleinert hätte, also ein Unrecht ist, weiß er mit seinem Gefühle der Rechtlichkeit nicht mehr recht in Einklang zu bringen. Den Zwiespalt zwischen Vaterlandsliebe, Kaisertreue einerseits und Eigennutz anderseits weiß er nicht mehr zu lösen; er hat die moralische Kraft nicht mehr dazu, sowie er auch den Conflict in seinem Innern, die Abhängigkeit von erträumten Mächten und das Gefühl der Kraft und Freiheit nicht auszugleichen vermag.

Während Wallenstein nach dem Glanze einer Königskrone trachtet, ist aber die glänzende Zeit seines Lebens schon vorüber, in der er seine größten Thaten vollbrachte, sein Ruhm aufs höchste stieg, er zeigte, was ein Mann wert sein könne. Und still und unvermerkt unter dem höchsten und schönsten Glanze ist auch schon der Keim des Üblen gediehen, wie es so häufig geschieht, um dann um so schneller und mächtiger emporzuwachsen, je mehr jener schwindet.

Wallenstein, in dessen Seele also das Streben nach einem für das Vaterland glorreichen Frieden und nach einer Königskrone für sich bestimmter geworden, standen zur Erlangung beides nur zwei Wege offen: entweder der Versuch eines neuen Schlages gegen die Feinde oder auf welche Weise immer das verderbliche Bündnis derselben zu lösen und womöglich einen Theil derselben auf seine Seite zu zichen, um dann nach Vernichtung des anderen mit dem in die Falle gelockten leichtlich fertig werden zu können; alles dies aber mit Wahrung der Möglichkeit, sich eine Königskrone, und zwar die Böhmens, seiner Heimat, wo er schon sehr umfangreiche Güter besaß, zu erbeuten. Den ersteren Weg einzuschlagen, fühlte er, aus dem Vorhergehenden leicht erklärlich, nicht mehr die Kraft dazu, da sie ihm doch schon bei Lützen nicht mehr ausreichte; er musste also, um sein Ziel zu er-

¹ Das Streben nach einer Königskrone hätte allerdings im Drama noch besser motiviert

und erklärt werden sollen. Schon Goethe fand die Motivierung hier nicht ganz ausreichend. 3