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Diese Schlacht wurde aber für Wallenstein sehr verhängnisvoll durch die Stellung, die er seither zu Octavio Piccolomini einnahm. In der Nacht vor der Lützener Action⸗ nämlich sah er, gedankenvoll an einen Baum gelehnt, in das stille Lager hinaus, und sein ganzes Leben, sein vergangenes wie zukünftiges, gieng in diesem Augenblicke an seinem inneren Gesichte vorüber, und sein ahnungsvoller Geist knüpfte das Schicksal des Morgens an die fernste Zukunft. Da gedachte er der ganzen Menge seiner Unter- thanen, die alle seinen Sternen folgten, und gedachte des Tages, an dem diese alle das Schicksal wieder auseinanderstreuen werde, nur wenige bei ihm zurücklassend. Da wollte er ein Zeichen vom Schicksale, das ihm zeigen sollte, wer der Treueste sei von allen, die das Lager einschließe, und der sollte es sein, der ihm am nächsten Morgen zuerst mit einem Liebeszeichen entgegenkomme. Dieses denkend schlief er ein, und ein Traum führte ihn in eine mörderische Schlacht. Er selbst sank, da ein Schuss sein Pferd getödtet, zu Boden, und Ross und Reiter setzten gleichgiltig über ihn hinweg. Wie ein Sterbender, zertreten, lag er keuchend da,— da fasste ihn plötzlich ein Arm, er erwachte und sah Octavio vor sich stehen, der ihn so anspricht: „Mein Bruder, reite heute nicht den Schecken, wie du pflegst. Besteige lieber das sichere Thier, das ich dir ausgesucht. Thu's mir zulieb. Es warnte mich ein Traum.“ Dieses Thier war es, welches Wallenstein rettete, während sein Vetter, der den Schecken ritt, zugrunde gieng. Dieses Ereignis erzählt Wallenstein selbst.(T. 900— 942; II. 3. 57— 98.) Bei seinem Wahne be- greifen wir den Eindruck, den es auf ihn machte, wohl, sein unbedingtes, felsenfestes Vertrauen, welches er seitdem auf Octavio setzte, besonders da wir schon(P. 888— 889; II. 6. 17— 18) erfuhren, dass er diesem das Horoskop gestellt, welches ihm zeigte, dass er unter denselben Sternen wie er selbst geboren sei.
Ziemlich kühl aber spricht Octavio(P. 359— 372; I. 3. 85— 97) von jenem Ereignisse, seit welchem ihm ⸗Wallensteins Herz aufgieng und sein Vertrauen wuchs⸗, und setzt dazu, dass dieser nach seinem Anerbieten ihn lange erstaunt angesehen habe, darauf ihm plötzlich um den Hals gefallen sei und eine Rührung gezeigt, wie jener kleine Dienst es gar nicht wert gewesen.
Wie aber dieser Schlachttag Wallenstein nicht nur durch Octavio, sondern durch seine Soldaten selbst verhängnisvoll werden konnte, da sie ihn seiner Unverletztheit wegen als einen Verbündeten des Teufels, dem Geiste der Zeit gemäß, ansahen, davon später, wenn die allgemeine Stimmung des Heeres vor dem Abfalle desselben klargelegt werden muss.
Vor Nürnberg hatte Wallenstein seinen Feinden ungeheuren Schaden zugefügt und glaubte sie dadurch hinlänglich geschwächt, einen Hauptschlag bei Lützen gegen sie suchen und wagen zu können. Aber er hatte sich am Feinde doch verrechnet und ist in Wirklichkeit keinen Schritt seinem


