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Questenberg geht über die Schlacht bei Lützen leicht hinweg, um als kluger Diplomat den Feldherrn zart anzugreifen; für diesen aber war sie keineswegs etwas so UÜbergehenswertes, denn sie bildete wieder einen Wende- punkt in seinem Leben.
Diese Schlacht war eine der blutigsten, die Wallenstein geschlagen. Der bekannte Wachtmeister nennt sie eine blutige Affaire-(L. 355; 6. 178) und Wallenstein selbst eine Mordschlacht.(T. 1920; III. 15. 91.) Hier aber hatte er Gelegenheit, seine Tapferkeit und Kaltblütigkeit zu zeigen, denn mitten unter des Feuers Blitzen ritt er mit kühlem Blute auf und nieder, ohne sich um die Kugeln, die seinen Hut, Stiefel und Koller durchlöcherten, zu kümmern, und wirklich entkam er unversehrt dem mörderischen Kampfe. (L. 356— 361; 6. 179— 184.) Die Pappenheimer Kürassiere aber, die sich auch durch besondere Kühnheit auszeichneten, mussten diese mit dem Tode ihres Anführers bezahlen, wofür ihnen aber Wallenstein, der gerne beehrte und belohnte, gestattete, sich selbst aus ihrer Mitte einen Obersten wählen zu dürfen. Von nun an durften sie auch eigene Justiz ausüben, hatten stets etwas voraus und wurden besonders von Wallenstein geliebt.(L. 675— 683; 11. 14— 22.) Diese Wahl aber fiel auf Max, den Sohn des verrätherischen Octavio. Wohl hatten die Pappenheimer diese Ehre verdient, denn sie waren es eigentlich, die es verhinderten, dass Wallenstein besiegt wurde. Dessen Tapferkeit und Festigkeit kosteten Gustav Adolf zwar das Leben, aber Banniers Dragoner brachten ihn doch so in die Enge, dass er endlich mit seiner nächsten Umgebung der UÜbermacht weichen musste und nur der Schnelligkeit seines Pferdes sein Leben verdankte, während sein Vetter, der neben ihm kämpfte, niemals wiedergesehen wurde.(T. 939— 942; II. 3. 96— 99.) So blieb der Sieg unentschieden; mit demselben Rechte, als ihn sich die Kaiserlichen zuschrieben, thaten es auch die Schweden. Für Wallenstein brachte der Kampf nur einen ⸗succès d'estime- ein, der die Schweden und ihre Verbündeten nicht demüthigte— im Gegentheile: ⸗Wir wollen Bürger bleiben auf dem Boden, den unser König fallend sich erobert, und nicht mit magerem Lorbeer wollen wir zum Vaterlande die Wimpel wieder lüften. Nein! Wir haben um Judaslohn, um klingend Gold und Silber den König auf der Walstatt nicht gelassen!-, sagt der schwedische Abgesandte Wrangel (T. 366— 374; I. 5. 144— 152) später zu Wallenstein, und so dachte gewiss auch jeder Schwede nach der Schlacht bei Lützen. Wenn dagegen Wallen- stein diesem Wrangel einmal erwidert(T. 246— 251; I. 5. 26— 29): Ich war stets im Herzen auch gut schwedisch. Ei, das habt ihr in Schlesien erfahren und bei Nürnberg. Ich hatt' euch oft in meiner Macht und ließ durch eine Hinterthür euch stets entwischen!-, so mag er wohl auch an Lützen gedacht haben, wenn diese Worte auch theilweise nur eine klugpolitische Schönthuerei
bedeuten.


