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Wallenstein war also zum Feldherrn geschaffen, seine geistigen Gaben befähigten ihn dazu, sein Verstand und seine Urtheilskraft, auch sein Gedächt- nis, welches ihn keinen mehr vergessen ließ, mit dem er einmal einige Worte gewechselt(vgl. T. 1830— 1850; III. 15. 1— 21), und seine Tugenden: sein liebenswürdiges und liebegewährendes Herz, seine Tapferkeit, Gerechtigkeit und Freigebigkeit fast bis zum UÜbermaß. Dadurch herrschte er. Nicht durch Furcht vor seiner Gewalt allein, sondern auch durch Liebe und Anhänglich- keit leitete er die Seinen zu begeisterter Tapferkeit im Felde und zu Zucht und Gehorsam im Lager, was selbst Questenberg, der feindliche Abgesandte des Hofes(P. 86— 91; I. 2. 5— 10), bewundernd anerkennen muss.
Wer hätte gedacht, dass ein solches Heer seinen Feldherrn einmal, bis auf fünf Regimenter, verlassen könnte, und wem könnte jenes unbedingte Vertrauen, das dieser auf die Treue seines Heeres setzte, unbegreiflich erscheinen?
III.
Mit dieser ergebenen und begeisterten Macht stand Wallenstein nun wieder auf dem Kriegsschauplatze, um mit dem gefürchteten Gegner Gustav Adolf den entscheidenden Kampf um Sein oder Nichtsein zu kümpfen. P. II. 7 gibt Aufschluss über den folgenden Krieg. Diese Scene wurde ihrer Breite wegen, welche die eingeschobenen Berichte verursachen, die Questenberg Wallenstein und seinen Generälen zum besten gibt, obwohl sie ihren Inhalt ja selbst genauer wussten und selbst erlebt hatten, öfter getadelt. Aber für die Exposition sind diese Berichte von großer Bedeutung, und Schuld an der Breite dieser Scene hat nur die Anlage des Dramas.
Der Anfang der kriegerischen Laufbahn des wiedergewählten Feld- herrn entsprach den Erwartungen des Hofes. Schnell und günstig wurde das Kriegsglück umgewendet, Böhmen und Sachsen wurden befreit und der Schweden Siegeslauf gehemmt, so dass die arg bedrängten Länder wieder Athem schöpfen konnten. Dem großen Feldherrn gelang es sogar, die zer- streuten Feindesheere auf einen Sammelplatz zu beschwören, den Rhein- grafen, Bernhard, Bannier, Oxenstiern und Gustav Adolf, um im Angesichte Nürnbergs das blutige Kampfspiel zu entscheiden. Mit Klugheit wusste Wallenstein seinem Gegner zu widerstehen. Je größere Kühnheit, Tapfer- keit und blinde Wuth dieser zeigte, desto mehr verstand er, ihn durch Festigkeit zu ermüden; vergebens wurde er zur offenen Schlacht gelockt, immer tiefer und tiefer nur grub er sich in sein Lager ein, bis endlich Gustav Adolf verzweifelnd einen gewaltigen Sturm wagte. Aber nur zur Schlachtbank führte er seine Völker hin, und Hunger und Seuchen folgten diesem Wagnisse. Zersplittert und entkräftet musste er sein Volk vom Kampf- platze führen, ohne einen Fuß breit Erde durch sein großes Menschenopfer gewonnen zu haben. Hier bei Nürnberg ließ der Schwedenkönig seinen Ruhm, und bei Lützen sollte er sein Leben lassen.


