Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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eine Milch hat sie ernährt, ein Herz belebt sie alle. Fremdlinge stehen sie da auf diesem Boden, der Dienst allein ist ihnen Haus und Heimat. Sie treibt der Eifer nicht fürs Vaterland, denn Tausende, wie mich, gebar die Fremde. Nicht für den Kaiser wohl die Hälfte kam aus fremdem Dienst feldflüchtig uns herüber, gleichgiltig unterm Doppeladler stehend wie unterm Löwen und den Lilien. Doch alle führt an gleich gewaltigem Zügel ein einziger, durch gleiche Lieb' und Furcht zu einem Volke sie zusammen- bindend. Und wie des Blitzes Funke sicher, schnell, geleitet an der Wetter- stange, läuft, herrscht sein Befehl vom letzten fernen Posten, der an die Dünen branden hört den Belt, der in der Etsch fruchtbare Thäler sieht, bis zu der Wache, die ihr Schilderhaus hat aufgerichtet an der Kaiserburg. (U. 251 257; 170 176:) Erschaffen erst musst' es(das Heer) der Fried- land, er empfieng es nicht, er gab's dem Kaiser. Von dem Kaiser nicht erhielten wir den Wallenstein zum Feldherrn. So ist es nicht, so nicht! Vom Wallenstein erhielten wir den Kaiser erst zum Herrn, er knüpft uns, er allein an diese Fahnen. Dass alles von Wallenstein zu bekommen und zu erwarten sei, wissen natürlich auch die Soldaten, auch dass er, wenn er nur könnte, Land und Leute an die Soldaten schenken würde. So richtete er seinem liederlichen General Isolani zu wiederholtenmalen seine Pharaobank wieder auf, beschenkte Max Piccolomini für einen geleisteten, diesem an- genehmen Dienst fürstlich und gab dem Hauptmann Deveroux zwanzig Goldstücke für einen Rock.(Vgl. T. 3318; V. 2. 96. L. 882; 11. 221. P. I. 58 59. P. I. 1. 67 68. P. 768 769; II. 4. 14 15.) Max aber lässt mit diesen Worten seiner UÜberzeugung und seinen Gefühlen freien Lauf(P. 412 433; I. 4. 29 50): ⸗Geworden ist ihm eine Herrscherseele, und ist gestellt auf einen Herrscherplatz. Wohl uns, dass es so ist! Es können sich nur wenige regieren, den Verstand vollständig brauchen. Wohl dem Ganzen, findet sich einmal einer, der ein Mittelpunkt für viele Tausende wird, ein Halt; sich hinstellt wie eine feste Säul', an die man sich mit Lust mag schließen und mit Zuversicht. So einer ist der Wallenstein, und taugte dem Hofe ein andrer besser, der Armee frommt nur ein solcher ... Und eine Lust ist's, wie er alles weckt und stärkt und neu belebt um sich herum, wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe gleich deutlicher sich wird in seiner Nähe! Jedwedem zieht er seine Kraft hervor, die eigen- thümliche, und zieht sie groß, lässt jeden ganz das bleiben, was er ist, er wacht nur darüber, dass er's immer sei am rechten Ort; so weiß er aller Menschen Vermögen zu dem seinigen zu machen.-

Dass Wallenstein aber auch ein warmes Herz besaß, das selbst wieder lieben konnte, wo es Liebe fand, beweist seine innige Zuneigung zu seiner Gemahlin und Tochter(von welchen noch später die Rede sein wird), zu Max, seinem idealen Ebenbilde, und dessen Vater Octavio, welcher sie freilich nicht verdiente.