Aufsatz 
Schillers Wallenstein als tragischer Charakter
Entstehung
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Seiten abzugewinnen wissen und darnach ihr Leben und Handeln einrichten, Gemeinere, die nur des Krieges wegen und des freien, lustigen, mühelosen Lebens sich Wallensteins Scharen angeschlossen haben, andere wieder, die nur recht Beute machen, stehlen und plündern wollen, sich deshalb des Krieges freuen und ohne irgend welche Gewissensscrupeln dorthin gehen, wo was zu haben ist, und wieder abziehen, wenn sich ihre Hoffnungen nicht erfüllen; andere wieder sind friedliebender, schätzen das Bürgerleben und sind nur aus Noth Soldaten, u. m. Wie die einzelnen Soldatengruppen, so sind auch ihre Führer. Alle diese verschiedenartigen Heeresstücke wusste Wallenstein auf die trefflichste Weise aneinanderzupassen und zu- sammenzufügen.(L. 781 782; 11. 120 121.) Dazu machte auch Religion keinen Unterschied; Katholische, Protestanten sind untereinandergemischt, und die Priester der verschiedenen Religionen haben Zutritt ins Lager. Der Feldherr selbst nennt einmal sein Heer, das das«kaiserliche heiße, den Auswurf fremder Länder, den aufgegebenen Theil des Volkes, das kein Vaterland besitze und dem nichts gehöre als die allgemeine Sonne. (T. 308 323; I. 5. 86 101.)

Dieses Soldatenvolk machte er sich anhänglich und fügsam, nicht durch Furcht vor Strafen allein, sondern auch durch Liebe, die er sich durch seine Freigebigkeit, Gerechtigkeit und durch seinen hellen Verstand erwarb, dem sich alle gerne unterwarfen und der ihn über die religiösen Vorurtheile seiner Zeit hinaushob, und durch seine persönliche Liebenswürdigkeit. Ob- wohl er in seiner Jugend zum Katholicismus übergetreten war, hatte er ja doch wenig Ursache, der damaligen katholischen Geistlichkeit freundlich gesinnt zu sein, besonders den Kapuzinern(vgl. P. 166 179; I. 2. 85 96) und Jesuiten am Hofe, vor allen dem Pater Lamormain, dem Beichtvater des Kaisers, der ihm am offensten feindlich war. Einmal spricht sich Wallen- stein gar folgendermaßen über die Jesuiten aus(T. 2595 2600; IV. 3. 17 22): Ich hasse die Jesuiten, läge es an mir, sie wären längst aus des Reiches Grenzen. Messbuch oder Bibel, mir ist's alles eins. Ich hab's der Welt bewiesen. In Glogau hab' ich selber eine Kirche den Evangelischen erbauen lassen. Allerdings spricht er dieses in gewisser Gereiztheit, denn damals war er schon zum zweitenmale verrathen worden.

Er war also nicht so einer wie Gustav Adolf, von strenger Religiosität, dass er eine Kirche aus seinem Lager machte, morgens und abends Gebet- stunde halten ließ, keine Munterkeit im Lager duldete und den Dirnen keinen Einlass gab, weshalb letzterem viele entliefen und sich seinem Gegner anschlossen.(L. 255 265; 6. 78 88.) Dass Wallenstein aber auch für die

In der ersten Anlage des Dramas hatte Schiller eine schärfere Polemik gegen die Jesuiten eingeflochten, welche hier auf das künstlerische Maß zurückgeführt ist, um die Dichtungrein zu erhalten.