25 einzugehen(vgl. T. 598— 599; I. 7. 155— 156),¹ denn auch hierin hatte Wallenstein nicht seine ⸗kühnumgreifende⸗ Gemüthsart verborgen, wie er solches nie der Mühe wert gehalten. Aber er war jetzt der unentbehrlichste Mann, und man musste ihm alles bewilligen.(Vgl. T. 594— 595; I. 7. 151—152.)
So war nun Wallenstein wieder im Besitze einer ungeheuren Macht auf das Kriegstheater gestellt. Vor seiner Absetzung war sein Ziel die größt- mögliche Erhöhung seines Kaisers gewesen, um dadurch ihm und sich selbst Ruhm und Macht zu verschaffen; jetzt aber, seitdem es ihm so schlecht bekommen, dem Throne auf des Reiches Kosten gedient zu haben, musste sich auch sein Verhältnis zu Kaiser und Reich anders gestalten. Vom Kaiser habe er wohl seinen Herrscherstab, doch diesen wolle er nun als des Reiches Feldherr führen, zur Wohlfahrt aller, zu des Ganzen Heil und nicht mehr zur Vergrößerung des Einen(P. 1177— 1183; II. 7. 167— 173) wurde sein Grundsatz. Er hatte also anders denken gelernt. An Europas Bestem lag ihm nun mehr, als an ein paar Hufen Landes, die Osterreich mehr hat oder weniger(vgl. P. 569— 571; I. 4. 186— 188); ihm war es nicht mehr um die Vergrößerung der kaiserlichen Lande zu thun wie einst, sondern er wollte dem Jammer ein Ende machen und Frieden schließen, der allen zum Vortheile gereichen sollte, freilich insbesondere auch ihm selbst. Längeren Träumereien gab er sich jetzt aber gewiss nicht hin, denn nicht auf einen ebenen Weg, den er nur fröhlich zu durchschreiten habe, sah er sich gestellt, sondern einem eben- bürtigen Gegner gegenüber, der schon bei Breitenfeld und am Lech seine Tüchtigkeit und Tapferkeit bewiesen hatte. Einen entscheidenden Kampf gab es nun zu kümpfen zwischen Leben und Tod, zwischen Ruhm und Unehre. (Zum Obigen vgl. noch T. 1949— 1953, 1976— 1977; III. 15. 121— 125 und 147— 148.)
Zunächst war es ihm daher um die Organisation des neugeworbenen Heeres zu thun, es kriegstüchtig und anhänglich zu machen. Wie ihm dies gelang, zeigt das Lager»², welches der Dichter, um des Helden Grund und Existenz und die Ursache seines Verbrechens bildlich klar zu zeigen, dem eigentlichen Drama vorausschickte. In diesem sehen wir Soldaten aus aller Herren Länder beisammen: Deutsche aus den verschiedensten Gauen Deutsch- lands, Wälsche, Kroaten, Böhmen, Spanier u. a. m.; fast ganz Europa steuerte bei, Wallensteins Lager zu füllen.(Vgl. L. 785— 795; 11. 124— 134.) Die verschiedenartigsten Charaktere sind da zusammengewürfelt: Krieger voll Edelsinn und Tapferkeit, die auch dem rauhen Kriegshandwerke seine edleren
¹ Denn er that es ja nicht aus Liebe und Vertrauen zu Wallenstein. Im Gegentheil. So konnte dieser mit Recht sagen: Krieg war schon zwischen mir und ihm, als er den Feld- herrnstab in meine Hände legte.“(Vgl. T. 2122— 2129; III. 18. 80— 87.)
2² Der ursprüngliche Titel hieß Die Wallensteiner».


