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verlassen, und alles wimmelte nur der allbekannten Hoffnungsfahne zu. Damals hatte er so recht gezeigt, was ein Mann wert sein könne, dass ein Einzelner statt eines ganzen Heeres gelten könne.(T. III. 13. P. 116— 119; I. 2. 34— 40. T. 575— 591; I. 7. 133— 148.) In staunenswert kurzer Zeit hatte Wallenstein wieder ein Heer von 60.000 Mann beisammen(T. 293; I. 5. 71), stand nun wieder an der Spitze einer Heeresmacht, die ihm nicht vom Kaiser gegeben war, sondern die er selbst dem Kaiser geschaffen hatte und die durch ihn erst den Kaiser zum Herrn bekam; auch nicht selbst hatte er sich zur Leitung derselben hingedrängt, sondern gebeten und gedrängt hatte er sie übernommen.
Wallenstein aber war nicht mehr der auf Dankbarkeit und Liebe Ver- trauende; er war misstrauischer und vorsichtiger geworden. Die Schwäche des Kaisers hatte er schon einmal fühlen müssen. Dessen Wirtschaft, Ab- hängigkeit von den Fürsten, Hofschranzen und seiner herrsch- und gewinn- süchtigen Geistlichkeit, aus welcher besonders der Jesuit Pater Lamormain hervorragte, waren ihm und jedem anderen klug Denkenden längst ein Greuel; und den verderblichen Neid der Reichsfürsten hatte er auch schon kennen gelernt.(Vgl. P. 1233; II. 7. 224. P. 151— 179; I. 2. 70— 98.) Er hatte bereits erfahren müssen, wie er plötzlich nach einer langen kriege- rischen, ruhmgekrönten Laufbahn gleich wie ein Nichtswürdiger leicht weg- gestoßen wurde. Das sollte nicht mehr geschehen können. Die Armee, die er nun geschaffen hatte, sollte ein von ihm unzertrennlicher Körper sein und bleiben, dem er seine Seele einhauchen wollte; er und seine Armee sollten ein unzerreißbares Ganze bilden. So nur konnte er hoffen, von allen kleinen Zufälligkeiten unbehelligt zu sein und zu bleiben. Dies war hauptsächlich die Ursache, dass Wallenstein dem Kaiser solche Bedingungen stellte, die ihn selbst zum Kaiser seiner Armee, zum Dictator machten.(Vgl. T. 2490 und 2574; IV. 2. 46 und 130). Aber nicht das Misstrauen gegen den Kaiser und das Streben, seine Wichtigkeit ungeführdet behaupten zu können, allein mögen ihm die Bedingungen dictiert haben, sondern auch noch andere Ursachen.
Die Wandlungen, welche er wührend seines Exils durchmachte, sind bekannt, sein Misstrauen auf seine eigene, aber lebendige Kraft, welche bisher nur in mystischen Sphären, in träumerischen Strebungen seinen Ausfluss finden konnte. Nun auf eimmal sollte er einen gewaltigen, ungeahnten Schritt zur Verwirklichung seiner Träume, die ihn immer hoch über die Menschen hinwegtrugen, machen können. Wohl waren diese Träume noch gestaltlos und nur schimmernden Irrlichtern gleich in seiner Seele, aber ein wenn auch unbewusstes Streben mussten sie ihm doch einpflanzen. Ob der durch seine Absetzung gereizte Wallenstein auch einem gewissen Gefühle der Begierde nach Rache nachgab? Wohl drängt sich solche hie und da im Drama hervor,
¹ Über sein Verhältnis zum Bayernherzog vgl. Seite 37.


