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Mit großem Geschicke hat der Dichter zu Beginn des zweiten Actes der „Piccolomini-, in welchem Wallenstein zum erstenmale auftritt, die Scene mit Seni vorausgehen lassen, um dem Zuschauer jenes Moment in des Helden Seele gleich zu offenbaren, welches eine so bedeutende Rolle spielt, dass der ganze Charakter etwas Mystisches, Geheimnisvolles bekommt, das Moment, durch dessen Hervorhebung die bedeutendsten Schauspieler die größten Erfolge erzielten, wie Graff, Fleck, Iffland.
Die Neigung aber zum Mystischen liegt ja doch allen strebsamen und kraftvollen Naturen inne; sie suchen sich gerne etwas Dämonisches zu ihrem Halte, was dann ihrem Streben und ihren Hoffnungen der Stern», das Ideal, ist, diesem die Richtung gibt.(Vgl. P. 1620— 1624; III. 4. 102— 106.) Wie musste auch Wallensteins Phantasie sein Observatorium erhitzen, von welchem aus er den Lauf der Sterne zu beobachten pflegte! In einem Kreise herum standen sechs oder sieben Königsbilder, jedes mit dem Scepter in der Hand und mit einem Sterne über dem Haupte, welche Königsbilder die die Geschicke regierenden Planeten bedeuteten. Gewiss hat auch dies das ver- hängnisvolle Gedankenspiel mit einer Königskrone mit vorbereitet.(P. 1595 bis 1619; III. 4. 77— 101.)
Aber noch eine andere Veränderung geht in Wallenstein während seiner Zurückgezogenheit vor, wie das Folgende lehrt. Der Ehrgeiz des schwer- gekränkten, unbezähmten und unbeugsamen Mannes, der so plötzlich aus der Bahn des Ruhmes und Glanzes in das Nichts zurückgestoßen wurde, schuldlos, wie er glaubte, konnte dadurch keine Herabminderung erfahren, sondern viel- mehr eine krankhafte Steigerung. Je mehr sich Wallenstein einem glänzenden Ziele entfernt glaubt, desto mehr richtet er nun sein Augenmerk darauf hin. Das Streben nicht nur nach Ruhm, sondern auch nach Größe, beginnt allmählich sein Herz zu umstricken. Doch ist dieses Streben jetzt noch gestalt-
der Zwölf; elf aber überschreitet die zehn Gebote und ist daher von UÜbel. Fünf aber ist des Menschen Seele, und wie der Mensch aus Gutem und Bösem gemischt ist, so ist die Fünf die erste Zahl aus Grad und Ungrad.(P. II. 1.)— Auch der Glaube an die Elementargeister ist Wallenstein eigen.(Vgl. T. 795; II. 2. 111.)(Der Salamander galt unter den Elementargeistern seines vermeintlichen Aufenthaltes wegen als einer der reinsten.)
¹ Wallenstein vergleicht sich einmal mit Caesar(T. 835— 840; II. 2. 152— 156), allerdings in nicht besonders passender Verbindung, denn seine Empörung gegen seinen rechtmäßigen Kriegsherrn entspricht nicht dem Angriffe Caesars gegen die Senatspartei und den Pompeius. Durch seinen mystischen Zug hat er allerdings eine gewisse Ahnlichkeit mit jenem großen Feldherrn. Dessen Uberzeugung war freilich, dass des Menschen Erfolge von der gründlichen Berechnung der Zeitumstände und von seiner innewohnenden Kraft abhängen, aber über allem Thun und Lassen des Menschen schwebe die Fors Fortuna, von deren Mithilfe nur der Erfolg erreichbar sei. Jedoch im Sinne der römischen Religion war ihm diese nur ein abstracter Begriff, an keine irdischen, anschaulichen Dinge gebunden, sondern eine durch Gebet und Opfer zu gewinnende, geahnte Gottheit. Dadurch unterscheidet er sich von Wallenstein gewaltig, der den Erfolg seiner Handlungen von den Bewegungen der Sterne abhängig glaubt.


