der Erde erhoben, unabhängig, fühlt er nicht nur seine Festigkeit nicht untergraben, sondern er wurde noch unbezähmter und unbeugsamer, ein feurig Rad, das rastlos eilend, ewig, heftig treibt und stets an des Ab- grundes jähem Rande sturzdrohend, schwindelnd dahinfährt.(T. 1378— 1384; III. 3. 15— 21.) Wallenstein, der früher den Erfolg an die Kraft und die kluge Berechnung der Zeitumstände geknüpft glaubte, wird Visionär und Träumer. Dies ist es also, was sich von nun an so verwirrend in sein System einschiebt, dass er, der sich über die schwankenden Gesetze des Irdischen erhaben glaubt, erst recht von denselben abhängig wird und, zuletzt fast mit Blindheit behaftet, immer nur zu den Sternen schauend, nicht das Unheil sieht, welches ihm von ganz nahen Dingen und Verhältnissen droht.
Der Glaube an die Sterne, in dem manches Sinnige liegt, der aber vor dem Lichte der Wissenschaft zum Nichts zerronnen ist, ist aber nicht etwas Seltsames, Außerordentliches an Wallenstein, denn er lag im Geiste der Zeit, und jener theilte ihn mit bedeutenden Männern derselben, wie Melanchthon. Er beruht auf dem dunklen Gefühle eines ungeheuren Welt- ganzen, was unserer Natur doch so naheliegt, auf dem Gefühle eines geheimnisvollen Zusammenhanges zwischen dem Menschen und der ihn um- gebenden Natur, eines geheimnisvollen Waltens, das in der ganzen Natur herrscht, die nach der kabbalistischen Lehre ein Makrokosmus ist, dem in des Menschen Brust ein Mikrokosmus entspricht.
Da alles dem allgemeinen Gesetze des Weltganzen unterliegt, gibt es also nach Wallensteins UÜberzeugung keinen Zufall,z sondern alles, selbst was blindes Ohngefähr nur dünkt, steigt aus den geheimnisvollen Tiefen der Welt und ergibt sich mit Nothwendigkeit, das Gesetzlose ist nur scheinbar und in unbedeutenden Dingen.(Vgl. T. 943— 960; II. 3. 100— 117.) Auch in des Menschen Seele regt sich nur dasjenige, was in ihrem tiefsten Keime lebt; es kann daher der Mensch nichts thun, was diesem inneren Keime widerspricht. Nichts aber in der Welt zeigt die tiefe Gesetzmäßigkeit so deutlich, als der Lauf der Sterne, der auch in dem tiefsten Grunde des Welt- ganzen seine Ursache hat; daher können nirgends anderswoher, als aus diesem, die allgemein giltigen und harmonischen Gesetze der Welt abgeleitet und erkannt werden. Die himmlischen Gestirne machen nicht bloß Tag und Nacht, Frühling und Sommer, nicht dem Sämann bloß bezeichnen sie die Zeiten der Aussaat und der Ernte. Auch des Menschen Thun ist eine Aus- saat von Verhängnissen, gestreuet in der Zukunft dunkles Land, den Schicksals- mächten hoffend übergeben. Da thut es noth, die Saatzeit zu erkunden, die rechte Sternenkunde auszulesen, des Himmels Häuser forschend zu durch- spüren, ob nicht der Feind des Wachsens und Gedeihens in seinen Ecken
¹ Vgl. Brief Goethes an Schiller vom 8. December 1798. ²2 Vgl. aber T. 92 und 98; I. 3. 39 und 45. 2*


