18 argwöhnisch, finster, über ihn gekommen, die Ruhe floh ihn, und nicht dem alten Glücke, der eigenen Kraft fröhlich mehr ver- trauend, wandte er sein Herz den dunklen Künsten zu, die noch keinen, der sie pflegte, beglückten.(T. 1402— 1409; III. 3. 40— 46.)
Schon bei Stralsund hatte Wallenstein bemerkt, dass des Menschen eigene Kraft nicht ausreiche, jeden seiner Pläne und Wünsche zu erfüllen, sondern dass es noch höhere Mächte gebe, von deren Walten die Erfüllung derselben abhänge. Bei Stralsund aber waren es die blinden Elemente, die ihm siegreich widerstanden, eine unbezwingbare Naturgewalt.¹ Einer solchen unterlegen zu sein, konnte nicht demüthigend wirken; das Bewusstsein der machtlosen Abhängigkeit davon ist so tief in die Seele des Menschen ein- gepflanzt, dass er sich da fast unwillkürlich beugt wie der Baum vor dem Sturme. Aber der Regensburger Fürstentag hatte ihn nun gelehrt, dass der Mensch nicht nur den Naturgesetzen unterworfen, sondern auch abhängig von allen möglichen anderen Verhältnissen sei, den Verhältnissen des Lebens überhaupt, seien sie politischer, socialer oder anderer Natur. Diese be- wusste Abhängigkeit nun des Menschen nach allen Seiten hin konnte für Wallensteins Charakter nicht spurlos vorübergehen, vielmehr löste jene dem- selben einen bedeutendsten Grundpfeiler, die Festigkeit. Früher trug er im vollen, lebendigen Gefühle seiner Kraft das Vertrauen auf dieselbe mit in seiner Brust, und dieses gab seinem Denken und Handeln die Festigkeit, welche ihn stets dem Glücke zuführte. Mit dem Verluste des Vertrauens auf seine Kraft aber verlor Wallenstein einen Großtheil seines inneren Haltes.
Die Erschütterung für ihn war groß, aber sie vernichtete ihn nicht, das Gefühl seiner eigenen Kraft verließ ihn doch nicht ganz; aber nicht mehr imstande, in seinem Herzen einen Halt für diese zu finden, musste er einen anderen suchen, und diesen sollte ihm jene geheimnisvolle Kunst geben, zu der er schon eine Hinneigung angeboren fühlte, die Astrologie. Die nahe- liegenden Dinge und Wesen verloren für ihn Wert und Bedeutung, sie wurden ihm zu abhängig, wechselvoll, unzuverlässig, ja er scheute sie, nicht nur die leblosen Dinge, sondern auch die Menschen; er wurde ungesellig, argwöhnisch, finster, unstet. Das Mittel aber, welches ihm Seni, der Astro- loge, an die Hand gab, sollte ihn über dieses alles erheben und zum Herrn über dasselbe machen. Von nun an ist Wallenstein diesem Wahne, dem Glauben an die Sterne verfallen, der dann so verhängnisvoll für ihn werden sollte, denn er, der sich über irdische Dinge zu erheben gedachte, knüpfte doch seine Pläne und Handlungen sclavisch an irdische Dinge und Ver- hältnisse, an die Sterne und ihren Lauf. Aber dieser Wahn gibt seiner Seele wieder den nöthigen Halt, und nun über das Schwankende, Vergängliche
Und die Natur kann ja auch aus ihren Grenzen wanken. Dagegen hilft nichts, da irrt auch alle Wissenschaft.(T. 1673— 1674; III. 9. 12— 13.)


